Helga Hirsch

Schweres Gepäck

Flucht und Vertreibung als Lebensthema
Cover: Schweres Gepäck
Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2004
ISBN 9783896840424
Kartoniert, 257 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Flucht und Vertreibung hinterlassen Spuren. Fast 60 Jahre nach Kriegsende suchen Kinder von Vertriebenen nach Antworten: Wer bin ich? Woher komme ich? Welche Erfahrungen der Eltern und Großeltern haben meine Familiengeschichte geprägt? Helga Hirsch begleitet Menschen der zweiten Generation von Vertriebenen auf der Suche nach ihren biografischen Wurzeln und den Belastungen durch Heimatverlust. Sie hört zu und fragt nach. Ihre sensiblen Beobachtungen webt sie zu eindringlichen biografischen Texten. Damit ergänzt sie eine politisch kontrovers geführte Debatte über Flucht, Umsiedlung und Vertreibung, über Opfer und Täter und konkrete Erfahrungen derjenigen, die diese Zeit als Kinder erlebten. Die gesellschaftliche Anerkennung auch dieser Schicksale, so die These der Autorin, schafft eine Basis, das Zusammenleben in Europa zu verbessern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2005

Als eindringlich empfindet Rezensent Stefan Dietrich dieses Buch von Helga Hirsch, das sechs Geschichten vertriebener Familien versammelt. Er hebt hervor, dass es weniger um das Vertreibungsgeschehen als um dessen Nachwirkungen geht. Deutlich werde, dass sich das Drama der Vertreibung nicht "biologisch erledigt", sondern fortwirkt in Kindern und Kindeskindern, die auf ganz unterschiedliche Weise in Mitleidenschaft gezogen wurden. Hirsch berichte etwa von der Tochter eines Baltendeutschen, die kaum zwei Jahre alt war, als ihre Eltern Hitlers Umsiedlungsbefehl folgen und Tallinn verlassen mussten, und die noch heute von Zwangsräumungen träumt. Hirsch wolle mit diesen Lebensgeschichten auch die "Begrenztheit eindimensionaler Geschichtsbilder" aufzeigen. Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Dietrich von Hirschs Versuch, die dargestellten, völlig disparaten Einzelschicksale zu einer Opfergruppe der Kriegskinder zusammenzubinden. An der Einsicht, dass Geschichte nicht einfach vergehe, sondern sogar in denen weiterwirke, die sie nicht bewusst erlebt haben, komme man allerdings nicht vorbei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2005

Trotz einiger kritischer Anmerkungen nimmt der "Jdl" zeichnende Rezensent diesen Band von Helga Hirsch äußerst positiv auf. Die Autorin habe sich des Schicksals von sechs deutschen Familien angenommen und beschäftige sich mit den Problemen und Nachwirkungen von Flucht und Vertreibung, in ihrem "äußerst instruktiven Nachwort" auch mit den psychologischen und politischen Aspekten dieser Schicksale. Obwohl Hirsch bei den Familienbiografien derart viel Einfühlung an den Tag lege, dass es teilweise zulasten der notwendigen Distanz gehe, schaffe sie es, ihr Anliegen klar zu vermitteln: dass nämlich das "Recht auf Erinnerung" ungeteilt gelten müsse.