Beppo Beyerl analysiert historische Ursachen und Verantwortung der Dekrete, zeigt Verfehlungen auf beiden Seiten und kritisiert sowohl die den Benes-Dekreten zugrunde liegende These einer ethnischen Kollektivschuld als auch die von den sudetendeutschen Landsmannschaften betriebenen Revanchismusgelüste.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2003
Beppo Beyerls "Die Benes-Dekrete" hat Rezensent Friedrich Prinz richtiggehend verärgert. Die "oberflächliche Publikation" zeichnet sich seines Erachtens nämlich vor allem durch eines aus: Einseitigkeit zu Lasten der Sudetendeutschen: in salopper Weise serviere Beyerl die alten Geschichtsklitterungen, die tschechischerseits seit Eduard Benes in Umlauf gesetzt worden seien, klagt Prinz. Für "grundsätzlich falsch" hält er es beispielsweise, die Geschichte des sudetendeutsch-tschechischen Konflikts erst mit 1933 beginnen zu lassen und damit die Sudetendeutschen von Anfang an in die Nähe Hitlers zu rücken. Vielmehr, stellt Prinz klar, habe das Grundübel der Republik in der Schaffung eines tschechoslowakischen "Nationalstaates" gelegen, der kein echter Nationalstaat, sondern die schlechte Kopie des k.u.k. Vielvölkerstaates war, in den die Deutschen gegen ihren ausdrücklichen politischen Willen integriert worden seien. Auch geht es nach Auffassung von Prinz nicht an, den anwachsenden Nationalismus der Sudetendeutschen mit Recht zu kritisieren, ohne die chauvinistische "Reconquista-Ideologie" der tschechischen Medien ebenfalls zu zitieren, etwa das Benes nahestehende Massenblatt "Ceské Slovo". Insgesamt wirft er dem Autor vor, mit "großer Sorgfalt" alles zusammenzutragen, was gegen die Sudetendeutschen sprechen könnte. Eine Parteilichkeit seitens des Autors die dem Rezensenten sauer aufgestoßen ist.
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