Barbara Coudenhove-Kalergi, Oliver Rathkolb (Hg.)

Die Benes-Dekrete

Cover: Die Benes-Dekrete
Czernin Verlag, Wien 2002
ISBN 9783707601466
Broschiert, 204 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Dieses Buch vereinigt Beiträge von deutschen, österreichischen, tschechischen und amerikanischen Autoren und unternimmt den Versuch, die oft einseitige Diskussion um die so genannten Benes-Dekrete durch eine Zusammenschau "von beiden Seiten" zu ergänzen und durch fundierte Information zu bereichern. Der vorliegende Band umfasst historische, politologische und journalistische Arbeiten und zeichnet unter anderem auch ein Bild des weitgehend unbekannten Diskurses innerhalb der tschechischen Gesellschaft über die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2003

Der von Barbara Coudenhove-Kalergi und Oliver Rathkolb herausgegebene Sammelband über die Vorgeschichte und Folgen der "Benes-Dekrete" von 1945 hat auf Rezensent Friedrich Prinz einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Ähnlich wie bei Beppo Beyerls Arbeit über die "Benes-Dekrete" sieht er auch hier Einseitigkeit zu Lasten der Sudetendeutschen am Werk. Die Literatur von sudetendeutscher Seite etwa bleibe "weitgehend unberücksichtigt", tadelt Prinz, was seines Erachtens dann auch des öfteren zu "extremen Verzerrungen der geschichtlichen Realität" führt. Für "historiographisch unverantwortlich" hält er es beispielsweise, ohne kritischen Kommentar einen Beitrag des Präsidenten Benes zu bringen, der, so Prinz, "in einer milden Suada so ziemlich alles verschleiert, was zum Thema Vertreibung der Sudetendeutschen wichtig und wissenswert wäre". Anders als bei Beyerl findet Prinz im vorliegenden Band aber auch durchaus Lesenswertes, etwa Volker Zimmermanns Beitrag über die "Sudetendeutschen in der ersten tschechoslowakischen Republik" und Leopold Grünwalds Aufsatz über sudetendeutschen Widerstand gegen Hitler. "Erfrischend für eine weitere Diskussion" sind seines Erachtens die Beiträge "Tschechisch-sudetendeutsche Stereotypen" von Bohumil Dolezal und die "Stimme der zweiten Generation", nämlich von Alena Misková und Peter Becher. "Vielleicht", so der Rezensent abschließend, "rauft man sich doch noch 'europäisch' zusammen".