Dieses Buch setzt sich zum Ziel, die "hermeneutische Wende" in der Philosophie in Frage zu stellen. Hans-Georg Gadamer hat den Hermeneutikbegriff so verändert, dass er heute fast nur noch antirealistisch verstanden wird. In diesem Buch wird eine Gegenrechnung aufgemacht. In detaillierter kritischer Analyse nimmt es sich die Argumente der Hermeneutiker und der Interpretationsphilosophen vor. In der Konsequenz führt dies zu einer Wiederaufwertung der Begriffe von Realität, Erfahrung, Argument oder Wissen. Die Philosophische Hermeneutik und die daran anschließende, weiter ausgreifende Interpretationsphilosophie hat in den letzten Jahren das Gros der deutschen Philosophen und Geisteswissenschaftler und Teile der Analytischen Philosophie hinter sich bringen können. Eine kritische Auseinandersetzung ist jedoch ausgeblieben oder blieb in Ansätzen stecken. Man hat vielmehr eine ihrer Grundvoraussetzungen, den Antirealismus, als dogmatisch hingenommen: wir verstehen und interpretieren immer und notwendig anders, als die zu interpretierende Sache selbst ist. Die Erkenntnistheorie schien damit auf eine neue Grundlage gestellt, die in der Tradition nur untergeordnet eine Rolle gespielt hatte. Erst durch Nietzsche und Heidegger wurde der Antirealismus als verbindlich etabliert und hat so den Ansatz von Gadamer wesentlich mitbestimmt. Die Fragen der phänomenalen Bezeugung und der Beweisbarkeit sind dabei nicht ausdiskutiert worden. Hans Krämer legt in diesem Buch eine weitergehende Analyse des interpretativen Ansatzes vor und empfiehlt die Rückkehr zum Realismus. Er stimmt hierin mit Vertretern des Realismus in der kontinentalen und amerikanischen Diskussion überein. Sein spezifischer Beitrag liegt in der direkten Auseinandersetzung mit den hermeneutischen und interpretativen Richtungen und ihren einschlägigen Argumenten. Ein besonderes Augenmerk ist den Historischen Wissenschaften gewidmet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.12.2007
Richtig dankbar zeigt sich Ludger Heidbrink angesichts von Hans Krämers "Kritik der Hermeneutik". Dass der "dogmatische Interpretationismus" der Gadamer-Schule, den Heidbrink für durchaus fragwürdig hält, bislang relativ "ungeschoren" davongekommen ist, erstaunt den Rezensenten nicht wenig. Umso origineller kommt ihm der vorliegende Versuch vor, der hemerneutischen Tatsachenblindheit eine "Theorie der Annäherung" an die Realität entgegenzusetzen, um Verständigung und Erkenntnis zu ermöglichen. Dass der Autor dabei "elegant" argumentiert und nicht auf "Letztbegründung" abzielt, sondern die Diagnose stellt, dass es "ohne Wirklichkeit kein Verstehen" gibt, das Verhältnis der beiden Größen ansonsten aber unentscheidbar ist, scheint dem Rezensenten gut zu gefallen.
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