Die SED-Führung erhoffte sich aus dem Handel mit Entwicklungsländern erhebliche Deviseneinsparungen und den Verkauf von international sonst schwer absetzbaren Waren. Die vorliegende Studie rekonstruiert am Beispiel von Äthiopien und Mosambik einen Kernbereich der DDR-Politik gegenüber der Dritten Welt. Sie weist erstmals nach, dass nicht primär die Unabhängigkeit von Mosambik beziehungsweise die neue revolutionäre Führungsschicht in Äthiopien den Anlass für die umfangreichen Aktivitäten in diesen Ländern boten, sondern die 1977 drohende Zahlungsunfähigkeit der DDR. Die massive Ökonomisierung der als Solidaritätsakt dargestellten Beziehungen zu Mosambik trug entscheidend dazu bei, dass die Auslandsschulden des Landes heute ein zentrales Problem für die wirtschaftliche Entwicklung bilden. Die Untersuchung wird durch eine Dokumentensammlung sowie Gesprächsprotokolle mit ehemaligen Funktionsträgern ergänzt.
Die vorliegende akribische Studie zum Verhältnis der DDR zu den "Entwicklungsländern" Mosambik und Äthiopien schildert, wie man in Christoph Kuhns Rezension erfährt, wieder einmal das ökonomische Unvermögen der SED-Ökonomie. Meist irrte das Politbüro in der Einschätzung der Wirtschaftslage der Partnerländer, so dass die geplanten Kooperationen scheiterten. Spannend, so der Rezensent, seien die Gespräche des Autors mit DDR-Politikern ebenso wie die Faksimiles von Stasi-Akten. Angenehm findet er den hintergründigen Humor der Studie. Auch wenn offene Fragen blieben (etwa dazu, wie die afrikanischen Länder heute die damalige Politik der DDR einschätzen): anregend sei Dörings Studie allemal.
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