Hermann Weber, Nestor der bundesdeutschen DDR-Forschung, kann auf ein höchst bewegtes Leben zurückschauen. Nach einer illegalen Schulung an der SED-Parteihochschule 1947 bis 1949, wo er seine Frau kennen lernte, ging er zurück nach Westdeutschland, um für die FDJ tätig zu werden, während Gerda dort die Frauenorganisation DFD leitete. 1953 wurden beide verhaftet, in einem Moment, als sie gerade dabei waren, sich vom Stalinismus zu trennen. Was geschah nach dem Bruch mit dem Partei-Kommunismus? Wie sah die linke Bewegung der Bundesrepublik vor 1968 aus? Auf welchem Wege wurde aus dem Knasthäftling und "Staatsfeind" schließlich ein ordentlicher Professor mit internationaler Reputation? Wie konnte es ihm mit anderen gelingen, nach 1990 die Archive der Parteien und Massenorganisationen der DDR für die Forschung zu retten? Anhand persönlicher Erfahrungen und der Begegnung mit vielen prominenten Zeitgenossen schildern Hermann und Gerda Weber ihren durchaus untypischen Lebensweg, der ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte umfasst. Behandelt werden dabei die Einflussversuche der DDR auf die Bundesrepublik und die Situation der "heimatlosen Linken" genauso wie die Suche nach einem "dritten Weg" zwischen Stalinismus und Kapitalismus, die Auseinandersetzungen mit DDR-Historikern und die Veränderungen seit der deutschen Einheit.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.11.2006
Erfrischt wie nach einem Sitzungsmarathon ist Rezensent Christoph Dieckmann nach der Lektüre des zweiten Teils der Erinnerungen des Kommunismusforschers Hermann Weber und seiner Frau Gerda. Als parteikritischer Marxist und führender DDR-Experte sei Hermann Weber zwischen die Stühle des Kalten Krieges geraten und hätte deshalb viel Interessantes zu erzählen, befindet er. Allerdings überfordere Weber seine Leser nicht nur mit einem Übermaß weitgehend unbekannter Namen, sondern ermatte sie zudem mit seinem wenig ansprechenden Erzählstil. Besser unterhalten hat Dieckmann sich bei den von Gerda Hermann verfassten Passagen. Die Geschichte habe Webers politischen Analysen jedoch durchaus Recht gegeben, meint der Rezensent und erwartet, dass sich Weber im nächsten Band seiner Erinnerungen den Problemen der heutigen Demokratie zuwendet. Ob er dieser Lektüre mit Freude oder Missmut entgegen sieht, lässt Dieckmann allerdings offen.
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