Gert Ueding

Bloch, Jens und Mayer

Die Tischgesellschaft der Julie Gastl
Cover: Bloch, Jens und Mayer
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783520753038
Gebunden, 256 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

In der großen "Gastl Welt", der weit über Tübingen hinaus, gar weltweit (!) bekannten Buchhandlung, trifft sich anfangs der 70er Jahre ("denkmöglich") eine gelehrte Dreifaltigkeit zum regelmäßigen Abendgespräch: der Philosoph Ernst Bloch, der Rhetoriker, Kritiker und Schriftsteller Walter Jens sowie der wohl bedeutendste, wirkmächtigste deutsche Germanist Hans Mayer - und zwar gleichsam unterm Patronat der Buchhändlerin und femme des lettres Julie Gastl. Gelegentlich kommen noch Freunde und Gäste von außerhalb dazu: Marcel Reich-Ranicki, der große Kunsthistoriker Hans Holländer, Rolf Hochhuth, Friedrich Dürrenmatt. Und sie disputieren, ereifern, ergänzen, verbessern, verrennen und widerlegen sich heftig - über wahrlich: Gott & die Welt, auch über alles, was da gerade ansteht. Das alles geschieht spielerisch leicht, mit Freude an waghalsigen Gedankenexpeditionen, die auch Leiden, Missgeschick, Unglück, Verwerfung nicht etwa vergessen lassen, aber sich mit dem Optimismus des Nach- und Weiterlebens zum großen Lesegenuss verbinden. Gewissermaßen macht das einen andren Blick auf die "Erbschaft dieser Zeit", eine Art Seminar "Prinzip Hoffnung" auch …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.08.2024

Die Tübinger Professoren Bloch, Philosophie, Mayer, marxistische Literaturwissenschaft, und Jens, Altphilologie, haben lange Zeit das öffentliche Gelehrtenleben in Deutschland mitbestimmt, weiß Rezensent Wilhelm von Sternburg. Der mittlerweile emeritierte Rhetorik-Professor Gert Ueding kannte alle drei und hat ihnen nun ein Buch gewidmet, das ihre "Tischgesellschaften" in der Buchhandlung von Julie Gastl zum Thema hat. Dort trafen sich die drei - oft mit Gästen - mehr oder weniger regelmäßig, um beispielsweise über Thomas Mann zu diskutieren oder die französische Revolution. Auch die Eitelkeiten der drei bleiben dem Rezensenten nicht verborgen. Dennoch scheint er das Buch gern gelesen zu haben, erinnert es ihn doch an eine Zeit, als Literatur "der zentrale Bezugspunkt des Bildungsbürgertums" war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2024

Rezensent Francesco Mammone wünscht sich Ernst Bloch und sein Prinzip Hoffnung zurück beim Lesen von Gert Uedings Erinnerungsbuch. Wie Ueding seine Heroen Bloch, Jens und Mayer in mit Anachronismen gespickten Episoden einer Tübinger Tischgesellschaft wiederauferstehen lässt, scheint ihm so legitim wie mitunter holperig. Als "unterhaltsame Abkürzungen" zum Bildungsbürgergut taugen Uedings Erinnerungen und Lektüren aber doch, findet er. Überzeugender wäre es allerdings gewesen, Ueding hätte sein Buch als Totengespräche a la WalterJens entworfen, meint er.