Hans Mayer

Hans Mayer: Briefe 1948-1963

Cover: Hans Mayer: Briefe 1948-1963
Mark Lehmstedt Verlag, Leipzig 2006
ISBN 9783937146256
Gebunden, 630 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Mark Lehmstedt. Hans Mayers Briefe aus den Jahren 1948 bis 1963, in denen er an der Leipziger Universität gewirkt hat, sind ein umfassendes Spiegelbild der geistig-kulturellen Entwicklung der frühen DDR mit all ihren Höhen und Tiefen. Ob Thomas Mann oder Hermann Hesse, Bertolt Brecht oder Johannes R. Becher, Peter Huchel oder Franz Fühmann, Hans Werner Richter oder Günter Grass - Hans Mayer korrespondierte mit allen. Die Briefe machen deutlich, dass Mayer sich stets als Mittler verstand: Mittler zwischen Büchern und Lesern, Mittler zwischen Literatur und Wissenschaft, Mittler vor allem zwischen Ost und West - trotz Kaltem Krieg und persönlichen Anfeindungen von beiden Seiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2007

Zum hundertsten Geburtstag singt Rezensent Gerhard Schulz Hans Mayer ein Ständchen. Und er erinnert sich an seine Zeit als Leipziger Student und an die Hochachtung dem damals jungen Literaturprofessor gegenüber. Der "gut annotierte" Briefband, glauben wir Schulz, schlägt in die gleiche Kerbe. Ein "Denkmal" nennt Schulz das Buch, das dem Leser immer noch zu lernen gibt, als "Stück deutscher Geschichte" und Dokument eines Lebens zwischen "Außenseitertum und Dazugehörenwollen". Auf Literatur oder Intimes stößt Schulz indes kaum oder nur zwischen den Zeilen, stellen die Briefe in ihrer Mitteilsamkeit betreffend Pläne und Namen für ihn doch "Dokumente großer Einsamkeit" dar. So liest Schulz auch mit Bitterkeit Mayers Auseinandersetzung mit der DDR als "Triumph politischer Dummheit" über den Intellektuellen Außenseiter Hans Mayer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2007

Hocherfreut zeigt sich Rezensent Gustav Seibt von diesem Band mit Briefen Hans Mayers, den Mark Lehmstedt zum hundertsten Geburtstag des Literaturwissenschaftlers herausgegeben hat. Die Briefe dokumentieren für ihn den Neuanfang des kulturellen und literarischen Lebens in der DDR, das untrennbar mit Mayers Namen verbunden ist. Seibt schildert den umtriebigen Hochschullehrer als allgegenwärtiges Faktotum, der nicht nur das erste große Thomas-Mann-Buch der Nachkriegszeit und schnell die beste Gesamtausgabe des Nobelpreisträgers edierte, sondern auch als der erste Festredner, Gastdozent und Auslandsrepräsentant seines Staates fungierte. Der vorliegenden Band mit Briefen aus den Jahren 1948 bis 1963 - Adressaten sind unter anderem Lukacs, Brecht, Mann, Böll und Grass - bietet nach Einschätzung Seibts vor allem "energische Geschäftspost auf den Höhen der Kultur". Seibt hebt besonders die immer wieder ausbrechende "Generalkritik am geistigen Niveau der DDR" hervor, wie etwa in einem langen Brief an Kulturstaatsminister Johannes Becher vom 30. März 1953. Außerdem bleibt für Seibt selbst in der "Geschäftpost" Mayers Enthusiasmus für die Literatur spürbar. Ein großes Lob spricht er Mark Lehmstedt für seinen ausgezeichneten Kommentar und die schöne Gestaltung des Bands aus.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.06.2006

Fritz J. Raddatz scheint die Briefe des legendären Literaturwissenschaftlers Hans Mayer verschlungen zu haben - und doch kann er kaum ein gutes Haar an ihnen lassen. Was aber vor allem an der Person Mayers liegt. Raddatz schätzt ihn zwar als hochintelligent, gebildet (er konnte laut Raddatz' Informationen das Schneekapitel des "Zauberbergs" auswendig) und moralisch absolut integer (er unterstützte Uwe Johnson, Wolfgang Harich und Heiner Müller in schwierigen Zeiten). Was Raddatz aber geradezu abstößt ist die Eitelkeit dieses Mannes, dieses "tönende Selbstlob", das ihm von fast jeder Seite entgegen schlägt. Nicht umhin kommt Raddatz auch festzuhalten, dass diese Briefe "kein Schriftsteller" geschrieben habe; menschliche Regungen suchte Raddatz in ihnen ebenso vergeblich wie in denen eines Handelskontors. Und schließlich notiert der Rezensent auch bitter, dass Mayer in keiner Weise politisch gedacht hat. Raddatz' resümiert das Buch als "mal bitter, mal sinister, mal hochgemut und mal banal."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.05.2006

Der jetzt veröffentlichte Briefband von Hans Mayer bietet im Grunde nichts, was nicht schon aus seinen Erinnerungen bekannt ist, und er lässt auch keinen Blick in das Privatleben des Literaturwissenschaftlers zu, stellt Heinz Schlaffer enttäuscht fest. Die Briefe, die er mit so bekannten Autoren wie Bertolt Brecht oder Max Frisch tauschte, sind fast ausschließlich Geschäftskorrespondenz, in der es um Terminabsprachen oder die Organisation von Vorträgen und Ähnlichem ging. Zwar könne man viel über die spezifischen Bedingungen der Literaturwissenschaft und Kritik in der DDR lesen und Mayers Auseinandersetzung damit, konzediert der Rezensent, den es aber dennoch wundert, dass Mayer so gar nichts über sein Innenleben preisgibt. Selbst die Korrespondenz mit dem engen Freund Walter Wilhelm bleibt vergleichsweise zurückhaltend. Dafür hat Mayer aber keine Gelegenheit ausgelassen, in seinen Briefen auf seine beruflichen Erfolge hinzuweisen, ein "Geltungsbedürfnis", das der Rezensent allerdings als Überlebensstrategie eines Querdenkers in der DDR verteidigt.