Gert Mattenklott war schon zu seinen Lebzeiten eine Legende. Wer an den Vorlesungen des Komparatisten in Marburg oder Berlin teilnehmen konnte, hatte nicht selten das Gefühl, ein frischer Wind würde durch den Raum wehen und ungeahnte Perspektiven eröffnen. Und immer hat er diese Epoche mit den modischen Strömungen seiner Zeit in Beziehung gesetzt: so bildete die Renaissance Beardsleys in den 1960er-Jahren den Ausgangspunkt für die Überlegungen des bekennenden Ästhetikers zu diesem Künstler. Ebenso ließ er seinen Blick gern ins Grüne schweifen: Gärten, ob imaginiert oder wirklich, aber auch Fotografien und Erörterungen des Vegetabilischen wurden der Analyse unterzogen. Was das "gefräßige Auge" des "ästhetischen Menschen" an der neuen Kunst um 1900 besonders fasziniert hat, wird in einer Auswahl seiner kunsttheoretischen Essays verdeutlicht. Der Band erscheint anlässlich des ersten Todestages von Gert Mattenklott im Oktober.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.11.2010
Heinz Schlaffer ehrt den Kollegen Gert Mattenklott posthum mit seiner Besprechung dieser Auswahl von Mattenklotts Essays zur Kunst um 1900. So unglücklich der Titel ihm erscheint, besser hätte ihm "Mythologie des Jugendstils" gefallen, so überzeugt zeigt sich Schlaffer von der an Borchardt und Benjamin geschulten Stilistik Mattenklotts, von seinem Gestus radikaler Aufklärung und seiner kritischen Ästhetik, in deren Licht die Kunst um 1900 (etwa bei Klimt und Fidus) als Abbild der Gleichzeitigkeit von Moderne und Barbarei erscheint. Inspirierend der Blick, unverbraucht die Terminologie, so gelingt es dem Autor, den Rezensenten weg vom bloßen Wohlgefallen am Kunstwerk zu überraschenden Erkenntnissen zu führen.
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