Aus dem Französischen von Richard Steurer. In seinem neuen Buch versucht Jacques Ranciere die Frage zu beantworten, was unter politischer Kunst oder Politik der Kunst zu verstehen ist. "Wer sieht, versteht nicht zu sehen": Dieses Vorurteil zieht sich quer durch unsere Geschichte, von Platons Höhle bis zur Anklage der Gesellschaft des Spektakels. Manche benutzen subtile Erklärungen oder spektakuläre Installationen, um den Blinden zu zeigen, was sie nicht sehen. Andere wollen das Übel an der Wurzel packen und das Schauspiel in Aktion und den Zuschauer in einen Handelnden verwandeln. Die hier versammelten Studien setzen diesen zwei Strategien eine einfache Hypothese entgegen: Das Sehen impliziert keinerlei Behinderung; wandelt man die, die den Zwängen und Hierarchien des Handelns unterworfen waren, in Zuschauer um, kann man dazu beitragen, die gesellschaftlichen Positionen durcheinanderzuwerfen; und die Denunziation des Menschen, der durch das Übermaß der Bilder entfremdet wäre, war vor allem die Antwort der herrschenden Ordnung auf diese Unordnung. Die Emanzipation des Zuschauers ist also die Behauptung seiner Fähigkeit zu sehen, was er sieht, und zu wissen, was er darüber zu denken und damit zu machen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2010
Völlig d'accord geht Rezensent Peter Geimer mit der Stoßrichtung Jacques Rancieres in diesem, der Gegenwartskunst und ihrer Rezeption gewidmeten Aufsatzband. Der französische Philosoph stelle nämlich das Beinahe-Dogma in Frage, wonach die Beteiligung des Rezipienten (a la Mitmachtheater) eine per se emanzipatorische Sache sei. Ganz im Gegenteil, so Ranciere: Erst in der Distanz, die die Kunst herstellen kann und muss, lässt sich jener aktive "Dissens" formulieren, den Ranciere für Grund und Ziel von Theater und Kunst überhaupt hält. In der Anwendung auf einzelne Beispiele sieht der Rezensent zwar manche Unschärfe, an der grundsätzlichen Richtigkeit des theoretischen Ansatzes ändert das für ihn aber nichts.
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