Georg Brunold (Hg.)

Nichts als die Welt

Reportagen und Augenzeugenberichte aus 2500 Jahren
Cover: Nichts als die Welt
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2009
ISBN 9783869710013
Gebunden, 684 Seiten, 85,00 EUR

Klappentext

"Bücher sind der Eingang zur Welt", konstatierte einst Stefan Zweig - das gilt für diesen Folioband in ganz besonderem Maße. Denn er stößt das Tor zu zweieinhalbtausend Jahren Weltgeschichte auf und führt rund um die gesamte Erde. In Dantes Göttlicher Komödie führte Vergil den Leser durch die Hölle; in diesem Großband nehmen uns Autoren wie Xenophon, Cäsar, Plinius, Petrarca, Ibn Battuta, Kolumbus, Voltaire, Goethe, Heine, Stendhal, Burton, Boveri, Capote, Frisch, Marquez, Eco und Enzensberger bei der Hand und geleiten durch die großen Ereignisse und Umbrüche ihrer Zeit, berichten, was sie mit eignen Augen sahen. Hier sind die großen Reportagen und Augenzeugenberichte der Weltliteratur in einem Folioband versammelt und ergänzt mit ganzseitigen Fotoreportagestrecken, deren jüngste die entlassenen Angestellten von Lehman Brothers beim Finanzcrash von 2008 zeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.03.2010

"Ein Wahnsinnswerk", schreibt Wolfgang Büscher über diesen schweren Prachtband mit 154 Reportagen - voller Bewunderung über die Sammelwut ihres Herausgebers und "Arrangeurs" Georg Brunold. Dabei handelt es sich unter anderem um Texte von Plinius über den Untergang von Pompeji, von Widukind oder Daniel Defoe. Auch Karl May oder Ibn Khaldun sind den Informationen des staunenden Kritikers unter denen, deren Texte Brunold in seinem Buch der journalistischen Königsdisziplin zugeordnet habe, und dessen Texte bis in unsere Neuzeit reichen. Das üppige Angebot des Buch wird, so Büscher, durch zwölf Schwarzweiß-Fotoreportagen aus der Gegenwart, sowie eine "Bibliothek des Reporters" ergänzt, eine Art "literarische Hausapotheke" des Herausgebers, wie Büscher schreibt, der sich in jedem Absatz vor der Reportage als ältester und ureinfachster Form der Schriftstellerei tief verbeugt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.12.2009

Uwe Radas kindlichen Wunsch, Lektüreerlebnisse wie diese, mögen niemals enden, erfüllt der Band schon durch seinen schieren Umfang. Ziellos hin und her lesen, laut Rezensent die angebrachte Leseweise für diesen Folianten, das wird Rada bei 146 Texten und 12 Fotoessays noch eine Weile tun können. Um die heiligen Momente des Lesens und Schauens immer wieder zu erleben. Kurz: Rada ist total begeistert. Über die Leistung des Herausgebers Georg Brunold, über den jungen Galiani Verlag, der damit die Latte ziemlich hoch legt und über die Texte sowieso. Da begegnet Rada einem erstaunlich modernen Herodot, einem die Medizingeschichte einläutenden Hippokrates, einer beklemmenden Reportage über die Londoner Pest von Daniel Defoe und frühe stadtsoziologische Beobachtungen von Jack London. Es geht also nicht allein um die Reportage in diesem Band. Dass sich damit allerdings die ein oder andere Bildungslücke des Reporters schließen lässt, entgeht dem Rezensenten nicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2009

Warum gedruckte Bücher besser als E-Books sind, beweist sich für Rezensent Volker Breidecker hier: Wo das elektronische Gegenstück schnell schwindelerregend wirkt, triumphiert der riesige Reportagenband von Georg Brunold - der Breidecker an das "Format eines katholischen Messbuchs" erinnert - durch seine Eigenschaft, durchblättert werden zu können und so Gelegenheit für allerlei Überraschungen und Vergleiche zu bieten. Für Breidecker Anlass, zweieinhalbtausend Jahre Reportagenanfänge abzuwägen. Ein Unterfangen, das mit dem Ergebnis endet, dass seit Truman Capote alles viel hektischer geworden sei. Die Nähe zwischen moderner Reportage und modernem Roman ist Breidecker auch noch nie sie klar geworden wie mit dieser Anthologie.  Eine ähnlich umfassende journalistische Sammlung kennt Breidecker eigentlich nur noch von Kisch, dem Brunold voraus hat, tatsächlich die ganze Welt in seinem Buch zu Wort kommen zu lassen und nicht so eurozentristisch zu sein wie jener. Die erste Hälfte des Bandes könnte einem auch stark zusetzen vor lauter Katastrophen, warnt Breidecker noch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2009

Oliver Jungen imponiert die erste Veröffentlichung des neuen Verlags Galiani Berlin, einem Imprint von Kiepenheuer & Witsch. So sind die ausgewählten Reportagen und Fotoreportagen, die in der knapp 700 Seiten starken Sammlung enthalten sind, nach Jungens Urteil alle von Weltgeltung. Allerdings hätte er dem Band - ohne dies als Einwand gegen das Buch zu sehen - gerne noch zwanzig Reportagen hinzugefügt. Lobend durchquert Jungen mithilfe des Buches die Weltgeschichte von den antiken Griechen bis zur Gegenwart und freut sich gerade über die Reportagen abseits der großen Ereignisse, beispielsweise über den Bericht eines Orchesters, dem 1945 während einer Auftrittspause in San Carlo noch die Instrumente gestohlen werden. Dem Herausgeber Georg Brunold spricht Jungen seine Anerkennung aus: "Zu allen Zeiten erfüllte der Kompilator eine ehrenwerte Aufgabe im Dienste des Wissens".
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