Geoffrey de Lagasnerie

Verurteilen

Der strafende Staat und die Soziologie
Cover: Verurteilen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518587096
Gebunden, 271 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jürgen Schröder. Über mehrere Jahre hat Geoffroy de Lagasnerie den Verhandlungen in einem Pariser Gericht beigewohnt. Er beobachtete, wie Menschen wegen Raub, Mord, Vergewaltigung oder Körperverletzung angeklagt und verurteilt wurden. Ausgehend von dieser eindringlichen Erfahrung, setzt er zu einer großen Reflexion über den strafenden Staat, die Macht und die Gewalt an. Wie lassen sich dieses System der Repression und seine Kategorien verstehen? Im Herzen des liberalen Rechtsstaats und seiner Idee der Gerechtigkeit entdeckt de Lagasnerie ein Paradox: Um jemanden verurteilen zu können, muss eine individualistische Erklärung der Tat und ihrer Ursachen kreiert werden; aber zugleich wird jede Straftat als Aggression gegen die "Gesellschaft" und den "Staat" aufgefasst. Das Recht wird als die Herrschaft der Vernunft präsentiert - und produziert zugleich Deprivationen und Traumata.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2017

Rezensent Alexander Cammann eröffnet sich in Geoffroy de Lagasneries neuem Buch "Verurteilen" das "Fiasko linksradikalen Denkens". Denn der französische Soziologe und Lebensgefährte von Didier Eribon versucht sich hier auf gerade mal 250 Seiten nicht nur an einer ausgiebigen Rechts- und Staatskritik, sondern verhebt sich auch noch an einer Methodenkritik der Soziologie, meint der Kritiker. Wenn Lagasnerie seinen "Rundumschlag" immer wieder mit aktivistischen Aufforderungen zum neuen Denken durchsetzt, dabei jedoch wenig konkret wird, konstatiert der Rezensent: Auf die "Renaissance" der radikalen französischen Linksintellektuellen wird man wohl noch warten müssen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2017

Für Rezensent Michael Pawlik ist Geoffroy de Lagasnerie ein linker "Ideologe im Philosophenmantel". Allzu viel philosophische (Selbst-)Reflexion kann der Kritiker in dieser Studie nicht erkennen: Wenn ihm der Autor etwa weismachen will, dass der Strafrechtsstaat nicht verhafte, sondern kidnappe und statt Bußgelder zu verhängen, Privatpersonen beraube, im umgekehrten Fall nicht mehr von Mord gesprochen werden solle, sondern die "Gewalt des prekären Verhältnisses" oder der "männlichen Geselligkeit" betrachtet werden müssen, erscheinen ihm Lagasneries Überlegungen doch zu wenig fundiert. Und wenn der französische Soziologe und Philosoph ausführt, dass "wir alle in das verstrickt sind, was jedem von uns zustößt", wäre dem Kritiker eigentlich eine differenzierte Betrachtung zum Thema Verantwortlichkeit lieber gewesen, der auch damit, dass der Autor neoliberale und libertäre Denker anführt, um seine Thesen zu untermauern, nicht einverstanden ist.
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