Fritz J. Raddatz

Fritz J. Raddatz: Tagebücher 2002 - 2012

Cover: Fritz J. Raddatz: Tagebücher 2002 - 2012
Rowohlt Verlag, Reinbek 2014
ISBN 9783498057978
Gebunden, 720 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Der Ton einer schonungslosen Selbstbeobachtung, die gleichzeitig Beobachtung anderer ist, angeschlagen bereits in den 2010 erschienenen "Tagebüchern 1982-2001", setzt sich in diesem zweiten Band fort: noch klarer, schärfer, doch immer wieder, wie zum Ausgleich, auch mit einem Einschlag ins Komische, Übertreibende und rigoros Selbstironische. In der Form freier als zuvor, fügt Raddatz jetzt Monologe, kurze Telefon-Dramen, Essays und Porträt-Miniaturen in den Text ein. Weiterhin geht es um die entstehende Einheit von Ost und West, doch mittlerweile, und mit zunehmender Wut, auch um die amerikanische Politik: den Krieg im Irak, die Lügen der Administration, Guantanamo, für Raddatz die schmerzliche Revision einer Lebensüberzeugung vom zuvor geliebten Amerika.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.04.2014

Voller Faszination, Begeisterung und Sympathie für Fritz J. Raddatz schreibt Arno Widmann eine Eloge auf dessen Tagebücher. In ihnen offenbart sich Raddatz ihm als "autopoetisches System", das sich jedoch von anderen weltverschlingenden, egomanischen Systemen in erheblicher Weise unterscheidet: Das System Raddatz ist nicht weltscheu, sondern immer auf Beutesuche, und es reflektiert. Wenn er sich selbst beobachtet, nimmt er sich sehr ernst, und zwar öffentlich, was dem Rezensenten ungeheuer imponiert. Mag sein, dass Raddatz "ichsüchtig und ichflüchtig" ist, aber er besitze die Courage, die Kraft und die Kunst, um beides zu zeigen. Und vor allem schont er sich trotz aller Eitelkeit nicht. Er beobachtet sein eigenes Altern und das seiner Freunde, Verfall und Prostata. Aber Raddatz wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch tolle Geschichten erzählen würde. Besonders gut hat Widmann gefallen, wie er ein Interview von Franziska Augstein aufspießt, in dem ihre Mutter Maria Carlsson-Augstein erzählt, sie habe 1962 ihrem inhaftierten Mann selbstgekochte Suppe mit dem verbeulten VW ins Gefängnis gebracht. Raddatz erinnert sich dagegen daran, dass Multimillionär Rudolf Augstein ihr einen Maserati geschenkt hatte und sein Essen im Vier Jahreszeiten bestellte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2014

Sehr assoziativ und mäandernd führt Fritz Göttler durch Fritz J. Raddatz' Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 2002 bis 2012, die sich dem langen Schaffensprozess von Raddatz' Erinnerungsbuches "Unruhestifter" (2003) anschließen. Auch deshalb attestiert der Rezensent diesem Band eine Ermattung, ein ins Alter gekommenes "animal triste", das sich hinter dem Text regt und abrechnend Rückschau hält, auch was eigene Träume betrifft. Die Offenheit, die der Autor dabei an den Tag legt, erkennt Göttler wohl an, auch wenn es der allgemeinen Gangart des Bandes für seinen Geschmack zuweilen doch an Ironie und Leichtigkeit mangelt. Als Dokument der Eitelkeit des BRD-Kulturbetriebs leistet dieser über gescheiterte Träume und Desillusionen offenbar reichlich klagende Band unterdessen hervorragende Arbeit und lässt dabei wenig aus, auch nicht die zahlreichen Gekränktheiten eines Star-Feuilletonisten, der im Alter um Honorare feilschen muss, wie Göttler berichtet. "Kleinlichkeit prägt den Stil des Buches", meint der Rezensent schließlich - und wenigstens an dieser Stelle der ansonsten in ihren Werturteilen eher unkonkret bleibenden Besprechung wird deutlich, was der Rezensent von diesem Band hält.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2014

Arme Elke Heidenreich. Dass so ein Nörgelbuch auch gleich 700 Seiten haben muss. Und kaum eine lustig, wie noch im ersten Band der Tagebücher von Fritz J. Raddatz. Was hier nun steht, will Heidenreich gar nicht wissen. Chamapagner, Champagner und Lamento, Lamento. Dass Raddatz immerzu Französisch parliert, macht die Sache für die Rezensentin nur noch schlimmer. Wer ständig austeilt, meint sie, muss sich auch nicht wundern, wenn er mal nicht eingeladen wird. So ist das. Muss man nicht drüber weinen und erst recht nicht schreiben, meint sie. Apropos, für Heidenreich ist das ein trauriges Buch, eine durchweg peinliche Selbstdemontage. Adieu, FJR, es muss leider sein.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.03.2014

Fritz J. Raddatz nimmt auch in den praktisch zeitgenössischen Tagebuchnotizen kein Blatt vor den Mund, noch über die "Streichliste aus Persönlichkeitsschutzgründen", die ihm sein Verleger vorgelegt hat, ärgerte er sich, berichtet Alexander Cammann. Dabei ist an den Rüffeln, die Raddatz nach links und rechts, nach oben und unten austeilt immer ein klein wenig Wahres dran, nur in ihrer Härte sind sie oft ungerecht, meint der Rezensent. Besonders bekommt natürlich der Literaturbetrieb samt Begleitjournalisten sein Fett weg, so Cammann. Für Klatsch ist also wieder zur Genüge gesorgt, verspricht der Rezensent, abgesehen davon habe vor allem das existenzielle Jammern zugenommen: "Maßanzüge - und lebenstraurig", heißt es bei Raddatz selbstironisch. Nur mit einer Vermutung liegt Raddatz definitiv falsch, ist sich Cammann sicher. Dass von den "paar Artikelchen" nichts hängen bleiben wird, das kann sich der Rezensent nicht vorstellen.