12 Autoren aus dem ehemaligen Jugoslawien überprüfen die jüngste Geschichte auf ihre Zukunftstauglichkeit. Die Beiträge reflektieren die Vielförmigkeit des ehemaligen Staatsgebildes und seinen Niedergang. Sie legen die jetzige nationalistische Verengung und repressive Mythenbildung eines jeden daraus hervorgegangenen Landes bloß: Kosovo, Bosnien, Kroatien, Slowenien, die Schauplätze der letzten Kriege, und das Serbien Milosevics und seiner nationalistischen Oligarchie stehen im Brennpunkt dieser bitteren Nachprüfungen vom Zerfall eines Vielvölkerstaates. Mit Rusmir Mahmutcehajic aus Sarajevo eröffnet zum erstenmal ein muslimischer Denker die Reflexionen über Anküpfung und Annäherung des Balkans an Europa, gefolgt von Schriftstellern und Intellektuellen, die vor Ort oder im Exil menschliche und politische Zukunftsperspektiven ausloten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2000
Mit verzögerter Reaktion, so Günter Fischer, hätten sich am Rande der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Herbst 17 Schriftsteller und Intellektuelle aus dem ehemaligen Jugoslawien zur "Gruppe 99" zusammengeschlossen. Sie eine der Wille, der Zerstörung des jugoslawischen Kulturraums entgegenzutreten, so unterschiedlich ihr Pass auch aussehen mag - vertreten sind Autoren aus Slowenien, Kroatien, Kosovo, Serbien, Bosnien. Dragan Pavelic, der von Fischer zitiert wird, formuliert das Zusammengehörigkeitsgefühl folgendermaßen: `Im übrigen glichen wir unseren Nachbarn so sehr, dass wir uns mehr in unseren Unterschieden ähnelten als in unseren Nichtunterschieden.` Auch wenn die Beiträge in ihrer Form oder Herangehensweise höchst unterschiedlich ausfielen, berichtet Fischer weiter - vom wissenschaftlichen Aufsatz bis zum Brief an die Enkelin sei alles vertreten -, sie alle würden um Erkenntnis ringen, um Wahrheit, die in jedem Land, in jedem Fall anders auf der Strecke geblieben sei.
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