Herausgegeben von Hubert Orlowski und Thomas F. Schneider. Das vorliegende Kriegstagebuch, das die gesamte Zeit des Zweiten Weltkriegs umfasst, erlaubt in weiten Teilen einen außergewöhnlich authentischen Blick auf das Kriegsgeschehen unmittelbar hinter der deutschen Ostfront. Der Autor, ein humanistisch gebildeter Wehrmachtsoffizier, war dort mit der Organisation und Verwaltung verschiedener deutscher Kriegsgefangenenlager betraut. Kennzeichnend für das Tagebuch ist die zunehmende Not des Autors, als gleichermaßen überzeugter Offizier und Christ das eigene Handeln in einem Krieg zu rechtfertigen, der immer deutlicher als Vernichtungskrieg empfunden wird. Der tiefe Zwiespalt zwischen Führertreue und christlichem Bekenntnis wird in den Aufzeichnungen ausführlich reflektiert und vielfach gebrochen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2007
Ein bemerkenswertes Zeitdokument sieht Sönke Neitzel in August Töpperwiens Kriegstagebuch der Jahre 1939 bis 1945, das Hubert Orlowski und Thomas F. Scherer herausgegeben haben. Das Tagebuch des Reserve-Hauptmanns und Gymnasiallehrers mit christlich-humanistischer Einstellung scheint ihm deshalb von Interesse, weil es einen Einblick gibt in die Erfahrungen und Emotionen eines durchschnittlichen, normalen, in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern in Deutschland, Russland und Polen eingesetzten Soldaten. Die Aufzeichnungen verdeutlichen für Neitzel die Ambivalenz dieses Soldaten - sein Schwanken zwischen Gefolgstreue und Zustimmung zum System einerseits und Ablehnung andererseits - sowie seine Versuche, sein christliches Selbstverständnis mit dem Nazitum in Einklang zu bringen, die angesichts der ihm bewussten NS-Rassepolitik letztlich nicht erfolgreich waren. Gleichwohl habe Töpperwien bis zum Schluss einwandfrei funktioniert. Mit Lob bedenkt Neitzel die Herausgeber für ihre umsichtige Arbeit und die vorzügliche Edition dieses Tagebuchs.
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