Johannes Hürter

Hitlers Heerführer

Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42
Cover: Hitlers Heerführer
Oldenbourg Verlag, München 2006
ISBN 9783486579826
Gebunden, 719 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Über die Wehrmacht im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion ist viel geschrieben und gestritten worden. Jedoch wusste man bisher wenig über jene höchsten Generäle, die das deutsche Heer auf Befehl Hitlers nach Osten führten, unter ihnen so bekannte Namen wie Bock, Guderian, Kluge, Manstein und Rundstedt. Was dachten und wie handelten die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen und Armeen, die über Leben und Tod von vielen Millionen Soldaten und Zivilisten zu entscheiden hatten? Johannes Hürter zeichnet erstmals ein genaues Porträt dieser militärischen Elite und darüber hinaus das Panorama eines beispiellosen Feldzugs, in dem traditionelles "Kriegshandwerk" und nationalsozialistischer Rassenwahn eine unheilvolle Verbindung eingingen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2007

Nach Knud von Harbous Einschätzung ist mit dieser umfassenden Studie über "Hitlers Heeresführer" von Johannes Hürter das Forschungsgebiet der Beziehung zwischen Wehrmacht und NS-Regime zum Abschluss gebracht. Der Autor stellt darin 25 Oberbefehlshaber der Wehrmacht, die den Krieg gegen die Sowjetunion lenkten, in einzelnen biografischen Porträts vor und untersucht anschließend deren Kriegsführungs- und Besatzungspraxis, erklärt der Rezensent. Hürter könne überzeugend zeigen, dass sich die Oberbefehlshaber vollständig zu "Komplizen" der mörderischen Vernichtungsstrategie Hitlers machten und ihre Handlungsfreiräume, die der Autor durchaus in den militärischen Entscheidungen der Heeresführer sieht, nicht wahrnahmen, sondern sich zu willigen "Erfüllungsgehilfen" der Vernichtungspolitik machten. Als große Leistung des Verfassers würdigt Harbou die akribische Auswertung der Quellen, mit denen Hürter die konsequente Einbindung der militärischen Führung in das nationalsozialistische System nachweisen kann. Lobend hebt er auch die gute Lesbarkeit des Werkes hervor.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2007

Bestnoten vergibt Rezensent Christian Streit an diese Studie über die Rolle der Wehrmacht-Elite in Vernichtungskrieg und Holocaust. Akribisch werte Johannes Hürter darin nicht nur die neueste Forschung, sondern auch "bisher ungenutzte, aufschlussreiche Generalsnachlässe" aus und zeichne daran, wohl überaus fesselnd nach, wie die Generäle aus Adel und Großbürgertum vom monarchistischen Konservativismus zu Komplizen einer rasseideologischen Raub- und Vernichtungsmaschinerie wurden. Deutlicher als jede Studie zuvor, arbeite Hürter auch die "erheblichen Entscheidungsspielräume" heraus, welche die Heerführer hatten, die dennoch fast ausnahmslos Massenerschießungen von Partisanen und jüdischen Zivilisten an der Ostfront als "Teil einer präventiven Gefahrenabwehr" betrachtet hätten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2007

Als "richtungweisend" würdigt Hans-Ulrich Thamer diese Studie über die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42 von Johannes Hürter. Über die bisherige Forschung zu den Verbrechen der Wehrmacht im Russlandfeldzug hinaus bietet die Arbeit seines Erachtens neue Einsichten in die Motive und Handlungsweisen der Wehrmachtsgeneralität. Höchst instruktiv findet er Hürters Untersuchung der sozialen Herkunft, militärischen Karriere und Sozialisation von 25 Oberbefehlshabern und Kommandeuren, die an der Ostfront zum Einsatz kamen. Hier führe Hürter die militärisch-politischen Leitbilder der Generäle, ihre Radikalisierung und ihre zunehmende Bereitschaft, Hitlers Weg in den Krieg zu unterstützen, vor Augen. Die katastrophalen Folgen davon werden für Thamer in der anschließenden Untersuchung des Feldzugs in den entscheidenden Jahren 1941/42 deutlich. Er bescheinigt Hürtner, die Vorbereitungen des Krieges, die Operationen der Heeresgruppen, den Umgang mit den gegnerischen Soldaten, den Partisanen und der Zivilbevölkerung ausführlich darzustellen. Besonders hebt er die Kapitel über das Verhalten der Oberbefehlshaber zum Judenmord und ihre Mitwirkung an dem Wüten von SS und Polizei hervor. Dabei kann der Autor seiner Ansicht nach die in der Wehrmachtsausstellung pauschal präsentierten Thesen auf einer "sehr viel breiteren empirischen Grundlage" bestätigen.