Enrique Vila-Matas

Doktor Pasavento

Roman
Cover: Doktor Pasavento
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2007
ISBN 9783312004027
Gebunden, 457 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Petra Strien. Der Großmeister der spanischen Literatur Enrique Vila-Matas schickt einen Schriftsteller und Psychiater auf die Suche nach der wahren Identität, indem er ihn in einer Art Selbstversuch von der Bildfläche verschwinden lässt. Es ist eine tiefsinnig-amüsante Reise durch die Literaturgeschichte und, en passant, eine außergewöhnliche Hommage an Robert Walser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2008

Möchte er, oder möchte er lieber nicht? Die vielen Deutungsdimensionen in diesem Buch, sein gewaltiges selbstreferentielles Netz, das Thema der Literatur als "Meta-Ware" sorgen dafür, dass sich Florian Borchmeyer, der Enrique Vila-Matas eigentlich schätzt, am Ende nicht mehr ganz sicher ist, ob er das Buch wirklich gelesen haben möchte. Was als "literarische Verschwindsucht" einer Bartleby'schen Figur beginnt, weitet sich vor den Augen des verwirrten Rezensenten zur von biografischen Parallelen strotzenden Irrfahrt und weiter zur distanziert dokumentierten Psychopathologie eines Literaten. Borchmeyer erscheint die Gattung des Romans dafür bald zu eng. Wenn wie hier Bücher zu Schauplätzen und Autoren zu Helden werden, kommt es ihm vor, als lese er eine literaturhistorische Abhandlung in fiktionaler Form. Das jedoch, findet Borchmeyer, ist eher was für entdeckungsfreudige Literaturtheoretiker als für passionierte Romanleser.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2008

Merten Worthmann empfiehlt eine "Speedlektüre" von Enrique Vila-Matas' neuem Roman "Doktor Pasavento", denn nur so wird man seines Erachtens dem "beschleunigenden Irrsinn" dieses Buchs gerecht. Das Werk um einen Schriftsteller mit Identitätsproblemen, der sich, auf der Flucht vor sich selbst, als Psychiater ausgibt und durch halb Europa reist, um sein Verschwinden zu inszenieren, ist für Wortmann ein exzellentes Beispiel für eine mit sich selbst spielende "Literatur-Literatur". Hier sieht er das Spiel mit dem Motiv des Verschwindens im Mittelpunkt, wobei es zahllose Anspielungen auf "große Verschwinder der Literatur" wie Thomas Pynchon, Emmanuel Bove oder Robert Walser gibt. Das Ganze macht auf ihn einen leicht zwiespältigen Eindruck. Einerseits wirkt der Roman im Ton auf ihn einfach "überspannt". Anderseits bewundert er doch Vila-Matas' hohe Kunst der "Motiv- und Referenz-Jonglage". Allerdings kann er sich des Eindrucks nicht erwehren, Vila-Matas würde gern einmal etwas ganz anderes schreiben, schließlich meint er bei dem Autor eine gewisse "Ermattung gegenüber der eigenen Methode zu spüren".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2008

An "Kathedralen der Metaliteratur" baut der spanische Schriftsteller Enrique Vila-Matas, zitiert die Rezensentin Margrit Klingler-Clavijo ein Urteil von dessen spanischem Verleger. Da kann sie nicht widersprechen und macht auch aus ihrer Bewunderung für das artistische Können des Autors keinen Hehl. Wieder einmal stehe in diesem Roman einer der typischen "melancholischen Einzelgänger" im Zentrum, ein älterer Schriftsteller ohne großen Erfolg. Dieser ist ohne klares Ziel in ganz Europa unterwegs, mit verschiedenen Masken und unter verschiedenen Namen - von Doktor Pasavento bis Doktor Pynchon - und einen nicht gerade geringen Teil abendländischer Literaturgeschichte hat er auch im Gepäck. Besonders wichtig ist dabei Robert Walser, auf dessen Spuren sich Pasavento in mehr als einer Hinsicht begibt. "Raffiniert" findet die Rezensentin das alles, staunt über die "brillante Akrobatik" des Autors und nur manchmal werde der "Parcours durch die Weltliteratur" dann doch ein klein wenig "strapaziös".
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