Ilko-Sascha Kowalczuk

Die Übernahme

Wie Ostdeutschland Teil der Bundesrepublik wurde

Klappentext

Die Revolution in der DDR kam völlig überraschend. Als die Mauer fiel, hatte niemand damit gerechnet. Die Herstellung der deutschen Einheit erfolgte in einem rasanten Tempo. Fast nichts blieb im Osten so, wie es war. Die Menschen mussten ihren Alltag, ihr Leben von heute auf morgen komplett neu einrichten. Die sozialen Folgen waren enorm und sind im Westen bis heute meist unbekannt. Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt in seinem Essay, wie sich die Umwandlung Ostdeutschlands vollzog, welche Gewinne und Verluste die Menschen dort verbuchten und wie die ostdeutsche Gegenwart mit der Vergangenheit von vor und nach 1989 zusammenhängt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.11.2019

Sicher hat es den zweitklassigen Westler gegeben, der im Osten die bisher versagte Karriere machen  konnte, meint Rezensentin Ines Geipel, sicher gab es auch zahlreiche Demütigungserfahrungen, Arbeitslosigkeit und Niedergang. Aber darin aufgehen kann die Geschichte von dreißig Jahren Mauerfall in ihren Augen nicht. Und auch wenn sie Sascha-Ilko Kowalczuk als den "Jakobiner der ostdeutschen Geschichtsschreibung" durchaus zu schätzen weiß, will sie sein Buch nicht gelten lassen. Zu sehr lasse sich der Historiker von seinen Ressentiments bestimmen, kritisiert Geipel, zu einseitig konstruiere er den Ostdeutschen als Superopfer und den Westen als komplettschuldig. Reduziert findet die Kritikerin ein solches Schreiben.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.11.2019

Rezensent Karl Schlögel nimmt die Gelegenheit wahr und ruft sich mit Ilko-Sascha Kowalczuks Buch die Ereignisse in Erinnerung, Daten, Vorgänge, Entscheidungen, Treuhand, Eigentumsregelung, Rentenfragen etc. Dankbar ist er dem Autor, das alles beobachtet und notiert zu haben und dabei nicht zu fragen, wie es anders hätte kommen können, sondern einfach zu rekonstruieren - Vergessenes wie Verdrängtes. Dass die Entwicklungen in Osteuropa dabei für ihn kaum eine Rolle spielen, muss Schlögel akzeptieren. Lesbar, wenngleich mitunter recht salopp, ist der Band für Schlögel allemal empfehlenswerte Erinnerungslektüre.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2019

Mit diesem Buch zieht der aus dem Osten stammende Autor "eine sehr lesenswerte Bilanz, was in den Wendewirren tatsächlich passiert ist", weiß Rezensentin Anja Maier. Darüber hinaus gehe er der Frage nach, wo sich Osten und Westen bis heute unterscheiden und warum Populisten und Extremisten gerade in der ehemaligen DDR so erfolgreich sind, erklärt die Kritikerin. Dabei schrecke er auch nicht davor zurück, sich eigene widersprüchliche Haltungen einzugestehen. Faktengesättigt und untendenziös, sei das Buch wahrlich lesenswert, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2019

Vieles an diesem Buch findet der rezensierende Historiker Tim Schanetzky instruktiv und anregend.  Wenn sein Kollege Ilko-Sascha Kowalczuk ostdeutsche Befindlichkeiten dreißig Jahre nach der Einheit unter die Lupe nimmt, dann kann er nachlesen, wie die Treuhand zum populistischen Symbol wurde, warum der Begriff der Demokratie für Ostdeutsche so oft hohl beziehungsweise verächtlich klingt und dass Anerkennung nicht gewährt, sondern erkämpft wird. Trotzdem erkennt der Rezensent eine Schieflage: So pragmatisch Kowalczuks Herangehensweise für den Osten erscheint, so klischeehaft bleibt sie, wenn es um den Westen geht. Dabei könne man der Geschichte des Ruhrgebiets sehr genau ablesen, dass Anerkennung Selbstanerkennung voraussetze, meint Schanetzky.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de