Die Geschichte der "inneren Sicherheit" beginnt nicht erst in den siebziger Jahren mit dem Terrorismus der RAF und dem "langen Marsch durch die Institutionen". Wer die Hysterien des "roten Jahrzehnts" verstehen will, muss den Bogen viel weiter spannen: von den 150.000 Berufsverboten, die im Zuge der Entnazifizierung seit 1945 gegen vormalige NS-Funktionäre und Militärs ausgesprochen wurden, über das KPD-Verbot von 1956 und die 125.000 politischen Strafverfahren der Adenauer Ära bis zum Extremistenbeschluss von 1972 und zum Oktoberfest Attentat 1980. Dominik Rigoll interessiert sich nicht nur für die Genese des Konzepts der streitbaren Demokratie und für die Erfahrungshorizonte der daran mitwirkenden Autoren, sondern auch für die konkrete Behördenpraxis und das Selbstverständnis der vom Staatsschutz betroffenen Personen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013
Sehr dankbar ist der Rezensent über diese aus einer Dissertation hervorgegangene Geschichte des Staatsschutzes in der alten BRD von Dominik Rigoll. Was der Berliner Historiker hier zur Geschichte zusammengetragen hat, findet Tanjev Schultz so packend wie bestechend. Die Augen geöffnet hat dem Rezensenten die Verbindung, die Rigoll etwa zwischen dem Adenauer-Erlass oder dem Radikalen-Erlass auf der einen Seite und der laschen Entnazifierung auf der anderen Seite zieht: Es waren genau die wieder in den Staatsdienst geholten alten NS-Funktionäre, die jetzt den Staatsdienst für Linksradikale sperren wollten. Schultz lobt die nüchterne und dennoch mitreißende Erzählweise des Autors, dessen Buch er für ein künftiges Standardwerk hält.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2013
Klaus-Dietmar Henke freut sich über Dominik Rigolls detaillierte und, wie er schreibt, "ungemein reflektierte" Studie, mit der ihm der Autor ein dramatisches Panorama der Bunderepublik seit '45 präsentiert. Klug wie plastisch zeichnet ihm Rigoll die Nachkriegsdebatten um die Zugangsbedingungen für den Staatsdienst nach, die Auseinandersetzungen um das politische Strafrecht sowie das Dienstrecht mit seiner fragwürdigen Rechtsnorm der Treuepflicht. Brillant findet Henke, wie der Autor die Frage nach den Konsequenzen der personellen Kontinuitäten in den Behörden beantwortet.
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