Christian Bommarius

Wir kriminellen Deutschen

Cover: Wir kriminellen Deutschen
Siedler Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783886808069
Gebunden, 128 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Wenn der Staat den Deutschen garantieren wollte, was sie angeblich so dringend begehren - den umfassenden Schutz der inneren Sicherheit -, müsste er der Gesellschaft geben, was sie verdient: So viele Gefängnisse aber, dass fast alle Bürger Platz darin fänden, so viele Gerichtssäle, Polizeiwagen und Vernehmungsräume halten nicht einmal Diktaturen bereit. Eine Gesellschaft, die über Kriminalität diskutiert, führt Selbstgespräche. Die Forderungen nach Verschärfung und Erweiterung des Strafrechts, nach mehr Überwachung und härterer Justiz ignorieren, schreibt Christian Bommarius, die extreme Verbreitung der Kriminalität. Wo beginnt sie? Wie weit wird sie von den Statistiken registriert und wie weit bleibt sie - Gott sei Dank - verborgen? Dieser Essay geht der erfassten Kriminalität wie dem Dunkelfeld nach. Denn die im Hellen sieht man, die im Dunkeln nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.05.2004

Christian Rath wundert sich über dieses Buch, dass seiner Meinung nach in sich zutiefst widersprüchlich und unlogisch ist: "Die Thesen des Buches sind also weitgehend gegenläufig und relativieren sich umgehend selbst". Den einen Teil des Buches findet der Rezensent ja sogar ganz lesenswert und "amüsant", zumindest wenn man ihn als Polemik versteht. Darin wird thematisiert, dass eigentlich die ganze Bevölkerung sich permanent im Sinne des Strafrechts schuldig macht, aber eigentlich nur die sowieso schon Marginalisierten dafür belangt werden. Der Autor will "Skepsis erzeugen gegenüber der ganzen Idee des Strafrechts". Den Glauben daran, dass sich über das Strafrecht und dessen Anwendung "gesellschaftliche Konflikte und Missstände" lösen lassen, nennt der Autor Christian Bommarius "modernen Aberglauben". Doch von diesen recht stichhaltigen Ansätzen aus gleitet der Autor nach Raths Meinung ab und dreht seine eigenen Argumente um: "Der anfangs so nachsichtig dargestellte Staat wird nun von Bommarius ganz anders präsentiert", im Prinzip können jeder als "Subventionsbetrüger oder Terrorist verdächtigt werden", vor allem, wenn er sich unauffällig verhält.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

Nein, es geht Christian Bommarius nicht darum, uns Deutsche als "Volk von Kriminellen" hinzustellen, meint die Rezensentin Elke Nicolini. Denn sein "äußerst informatives" Buch, in dem er die große Verbreitung von Bagatelldelikten (Ladendiebstahl, Schwarzfahren), gerade unter "unbescholtenen Bürger", klarmache, bereite das Terrain für eine ganz andere Art von Überlegung. Es liegt ihm daran, so die Rezensentin, die Einsicht zu fördern, "die Angst vor dem Verbrechen nicht in ein unverhältnismäßiges Sicherheitsverlangen münden zu lassen und damit demokratische Grundrechte aufzugeben". In "sprachlich eleganter Form", in die auch Ironie und Metaphern gegossen sind, gibt Bommarius Aufschluss über "die Situation in den verschiedenen Verbrechensbereichen", und liefert er "vergleichenden Stoff aus der Kriminalgeschichte", erklärt die Rezensentin. So könne er die heutigen Zustände überzeugend relativieren, was ihm erlaube, sich entschieden gegen den Aufruf zur "Nulltoleranz" zu stellen.
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