Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Ein Blick auf die Debatten um Identitätspolitik und Diskriminierung. Dieses Buch richtet sich an alle Menschen mit gutem Gewissen. Natürlich sind sie gegen Homophobie, Rassismus und andere Arten der Diskriminierung. Sicher sind sie auch gegen Antisemitismus in jeder Form. Aber zählen Juden wirklich genauso in den Debatten der Gegenwart? David Baddiel ist in Großbritannien bekannt als politischer Kommentator und Comedian. Als prominente jüdische Stimme stellt er bohrende Fragen: Gelten Juden wirklich als handfest bedroht, genau wie andere Minderheiten? Und falls nicht - warum?
Rezensent Philipp Lenhard spürt die Stachel in David Baddiels Erkundung der doppelten Ausgrenzung von Juden (als marginalisierte, privilegierte Unterdrücker) durch ein sogenanntes "progressives" politisches Milieu, zu dem sich der Autor laut Rezensent selber zählt. Schmerzhaft, da bestechend findet Lenhard Baddiels Analysen, die für ihn aus der Flut der Veröffentlichungen zum Thema Antisemitismus herausragen, weil sie weder historisch noch soziologisch vorgehen, sondern empirisch, essayistisch. Der teils nüchterne, teils empörte Ton, vor allem der vorsichtige Gestus des Ausprobierens von Urteilen, sagen Lenhard zu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2021
Rezensentin Nele Pollatschek empfiehlt David Baddiels Buch als Weihnachtsgeschenk. Baddiels These, dass Juden im linken Antirassismus-Diskurs "nicht zählen", weil sie als privilegiert gelten, belegt der Autor der Rezensentin vor allem mit Beispielen aus dem angelsächsischen Raum. Laut Pollatschek ist das so, weil der Antisemitismus hier einen anderen Stellenwert hat beziehungsweise hatte, bis der Diskurs von der Insel rüberschwappte. Baddiels tiefe und laut Rezensentin "oft humorvolle" Analysen wie seine Antworten auf die Problemstellung findet Pollatschek überzeugend, nur nicht weitreichend genug. Zu der Erkenntnis, dass es sich bei Antisemitismus um eine etwas anders aussehende Form von Rassismus handelt, gelangt Pollatschek letztlich selbst.
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