Die Griechenland-Krise und die mangelnde Handlungsbereitschaft im Umgang mit den Flüchtlingen haben nachdrücklich gezeigt, dass es um die Europäische Union derzeit nicht allzu gut bestellt ist. Parallel zu diesen internen Problemen mehren sich Stimmen unterschiedlichster Provenienz, die Europa attackieren und europäische Werte infrage stellen: Identitäre wie der Massenmörder Anders Breivik, Dschihadisten wie der Syrer Abu Musab al-Suri, "Eurasier" wie der Putin-Berater Alexander Dugin, illiberale Demokraten à la Viktor Orbán, aber auch einige Linkspopulisten am Rande von Syriza und Podemos.
Claus Leggewie porträtiert Wortführer und politische Unternehmer, die unabhängig voneinander, aber oft in ungewollter Komplizenschaft die "Festung Europa" schleifen wollen. Er erklärt, woher sie kommen, welche Pläne sie verfolgen und welche Mächtigen sie unterstützen. Und er fordert dazu auf, sich endlich politisch mit ihnen auseinanderzusetzen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2016
Als anregend, aber "ergänzungsbedürftig" beschreibt Gustav Seibt Claus Leggewies Buch "Die Anti-Europäer", das Gemeinsamkeiten zwischen den momentan vorherrschenden Formen politischer Gewalt herausarbeitet: zwischen islamistischem Terror und rechtsradikalen Anschlägen. Im Fokus des Bandes stehen stellvertretend Andreas Breivik, Alexander Dugin und Abu Musab al-Suri. Vor allem bei Breivik als auch Dugin seien verwandte Gedanken und Traditionslinien zu erkennen, wobei Dugin nicht zum Terror aufrufen würde, wie Leggewie betont. Am ausgeprägtesten seien laut Leggewie die kulturellen Parallelen: Globalisierung, individueller Hedonismus oder sexuelle Ambivalenz werden abgelehnt. Seibt findet darin Interessantes und Bedenkenswertes, aber vieles bleibt ihm doch zu oberflächlich, wie er auch den Titel des Buches unglücklich gewählt findet, denn die Herren vertreten ja durchaus einen Begriff von Europa, auch wenn der nicht mit dem Selbstbild der EU übereinstimmt.
"Gegnerforschung" betreibe Claus Leggewie hier, der laut Rezensent Samuel Salzborn schon darum ein eminent wichtiges Buch vorlegt, weil er sich auf die Schriften einiger aktueller Extremisten einlässt - eine selten geübte Praxis, so der Rezensent. Es geht um Anders Breiviks uferloses Manifest, sowie um eine Hauptschrift des für Wladimir Putin so wichtigen "Eurasiers" Alexander Dugin und ein ebenfalls riesiges Manifest des Al-Qaida-Theoretikers Abu Musab al-Suri. Alle drei sieht Leggewie bei allen Differenzen als "konservative Revolutionäre", so Salzborn, also als extrem antiuniversalistisch und gegenaufklärerisch. Salzborn bekennt zwar zunächst einige Schwierigkeiten mit dem aus der Weimarer Zeit stammenden Begriff der konservativen Revolution - aber letztlich überzeugt ihn Leggewies Argumentation und seine Diagnose einer allen drei Autoren gemeinsamen "exterministischen Unvernunft".
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