Wir werden Europa erobern!
Ungarn, Viktor Orbán und die unterwanderte Demokratie

Antje Kunstmann Verlag, München 2025
ISBN
9783956146268
Gebunden, 320 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Einst war Ungarn der Musterknabe der europäischen Wiedervereinigung, Vorbild für demokratische Reformen, das Land, das den Sowjets die Stirn bot und als erstes den Eisernen Vorhang durchtrennte. Doch seit 15 Jahren höhlen Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei das demokratische Fundament ihres Landes aus und verbünden sich mit autokratischen Regimen auf der ganzen Welt. Ihre Macht haben sie mit Geldern der EU erworben. Nun demontieren sie systematisch den Rechtsstaat, schränken Medien-, Meinungs- und Kulturfreiheit ein und verletzen grundlegende Rechte von Opposition und Zivilgesellschaft. Ausländische Unternehmen werden systematisch vom Markt gedrängt. In der EU schießt Orbán quer zur gemeinsamen Politik; er ruft dazu auf, europäisches Recht zu missachten. Zu Wladimir Putin pflegt er beste Beziehungen. Auch Donald Trump zählt Orbán zu seinen Verbündeten. Das berüchtigte "Projekt 25" der Heritage Foundation basiert zu wichtigen Teilen auf dem ungarischen Blueprint. Für die internationale illiberale Rechte ist Budapest längst zum Wallfahrtsort geworden. Zuletzt war Alice Weidel da: Auch mit Hilfe der AfD will Orbán bis 2027 ganz Europa erobern. Ungarn macht vor, wie die Demokratie mit ihren eigenen Mitteln außer Kraft gesetzt werden kann. Warum hat die EU nicht konsequent reagiert?, fragt Petra Thorbrietz in ihrem neuen Buch. Was hat Deutschland versäumt? Und wie können wir verhindern, dass der Flächenbrand weitergeht?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.07.2025
Einen guten Überblick über die ungarische Gesellschaft gewinnt man durch dieses Buch, meint Rezensentin Verena Mayer. Petra Thorbrietz möchte zeigen, wie Viktor Orbán Ungarn unter seine Kontrolle gebracht hat und eine Gefahr für ganz Europa wurde. Dabei zeigt sie laut Mayer einerseits auf, wie der Präsident das eher kleine Land als Großmacht inszeniert, und andererseits argumentiert, dass die EU viel zu spät damit begonnen hat, gegen ihn vorzugehen. Mit Thorbrietz rekonstruiert Mayer Orbáns Weg an die Macht, kritisiert allerdings, dass die Autorin nicht wirklich plausibel machen kann, warum ausgerechnet dieser Politiker so erfolgreich geworden ist. Dafür allerdings glänzt Thorbrietz mit Detailwissen über alle denkbaren Aspekte der ungarischen Gesellschaft, freut sich die Rezensentin. Insofern, heißt es am Ende, wird jeder, der mehr über das Ungarn der Gegenwart lernen will, hier fündig werden.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 27.03.2025
Petra Thorbrietz hat im Rahmen der Leipziger Buchmesse das einzige Buch vorgelegt, dass sich wirklich mit dem "System Orbán" beschäftigt, staunt Rezensent Till Schmidt. Schon allein, dass politische Akteure wie Alice Weidel und Herbert Kickl den ungarischen Staatschef loben, sagt einiges über dessen Demokratieverständnis aus, so Schmidt. Die beunruhigenden Entwicklungen in Ungarn verdienen mehr Aufmerksamkeit, das zeigt Thorbrietz in ihrer Analyse deutlich: Denn Ungarn ist ein Beispiel dafür, wie Demokratie mit ihren eigenen Mitteln "unterminiert" werden kann. Stellenweise ist dem Kritiker das Buch etwas zu "anekdotisch" geraten, aber insgesamt macht die Autorin eindringlich klar, dass es hier nicht nur um ein einzelnes Land, sondern eine "illiberale Neuordnung" Europas geht. Auch ihre Aufforderung, unabhängige ungarische Medien zu unterstützen, verdient es, gehört zu werden, betont der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 18.03.2025
Umfassender als es bisher geschah schildert Petra Thorbrietz in ihrem Buch, was Viktor Orbán mit Ungarn anstellt, lernen wir von Rezensent Moritz Küpper. Die Autorin zeichnet nach, wie Ungarn seit der Glasnost-Zeit, von einem Europa euphorisch zugewandten Land zu einer im Verhältnis zur EU immer skeptischeren und im Inneren zunehmend autokratischen Nation wurde. Außerdem zeigt Thorbrietz laut Küpper auf, wie Orbáns Erfolg zu einem Modell wurde für Rechtsnationalisten weltweit, die von ihm lernen, wie man die Demokratie mit deren eigenen Waffen schlägt. Gut gefällt dem Rezensenten, wie die Autorin ihre Thesen mit autobiografischen Passagen verknüpft. Insgesamt lernt man hier durchaus Neues über das Ausmaß der ungarischen Demokratieaushöhlung, findet Küppers, und deshalb ist das ein wichtiges Buch.