Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Zwischen 1980 und 1993 hat der Literaturnobelpreisträger Claude Simon in öffentlichen Vorträgen über vier Dinge gesprochen, die seine Laufbahn als Schriftsteller bestimmt und geleitet haben: über Marcel Proust, über Leitsterne in Dichtung, Kunst und Musik, über das Schreiben und über das Gedächtnis. Was Simon selbst als zwanglose Plaudereien bezeichnet hat, ist ein literarisches Vermächtnis wie es nur wenige gibt. Wer diese Gedanken liest, darf beglückt erfahren, wie sich das Labyrinth der Literatur und ihrer Epochen, der Kunst und ihrer Erscheinungsformen anhand weniger skizzierter Leitlinien, fast wie beim Reden entstandene Gedanken, die Simon nie als verbindliche Wahrheiten versteht, in das geordnete Erscheinungsbild eines französischen Gartens verwandelt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2015
Den vier hier versammelten Vorträgen des Nobelpreisträgers Claude Simon aus den Jahren 1980 bis 1983 entnimmt Ingeborg Waldinger nicht nur, dass Simon bekennender Proustianer war, da er anhand von dessen Schreiben den Wechsel vom bloßen Beschreiben zum handlungstragenden Beschreiben erläutert, sondern auch, wie Schreiben und Gedächtnis um 1900 zueinander finden. Was ist Wahrheit, was Wirklichkeit? Dergleichen erkundet der Autor laut Rezensentin auf spezielle, aber sehr erhellende Weise.
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