Louis Begley, Anka Muhlstein

Venedig unter vier Augen

Cover: Venedig unter vier Augen
Marebuchverlag, Hamburg 2003
ISBN 9783936384079
Gebunden, 167 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Christa Krüger, aus dem Französischen von Grete Osterwald. Zwei Autoren, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: die Französisch schreibende Sachbuchautorin Anka Muhlstein, der Englisch schreibende Romancier Louis Begley. Während Begley seine Romanhelden immer wieder nach einem Ausweg aus dem Albtraum Geschichte suchen lässt, muss Muhlstein mit ihren vielfach ausgezeichneten Biografien mitten hinein in die Historie gehen. In "Venedig unter vier Augen" unternimmt Anka Muhlstein einen Streifzug durch die Serenissima, während Louis Begley dem genius loci dieses einzigartigen Orts der Weltliteratur bei Henry James, Marcel Proust und Thomas Mann nachspürt und in einer Erzählung von einer erotischen Initiation und dem einzigen Weg nach Venedig erzählt:

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2003

Rezensent Dirk Schümer findet, dass das "Urlaubsgeplauder" von Louis Begley und seiner Frau Anka Muhlstein, das er in diesem Buch gefunden hat, besser ein "Vieraugengespräch geblieben" wäre. Für die Kenntnis der Stadt jedenfalls seien diese "intimen Memoiren" der beiden "Durchreisenden" aus New York "denkbar unergiebig". Stattdessen wird, so erfährt man, der "rituelle Ablauf" des Begleyschen Familienurlaubs "wiederholt" beschrieben, für den sie seit den achtziger Jahren einmal im Jahr für zwei Woche nach Venedig kommen. Anka Muhlstein hat ihren "menschlichen Begegnungen" in Venedig "einen ganzen Aufsatz" gewidmet, berichtet Schümer weiter, aus dem man viel von "den beruflichen Werdegängen" einiger Kellner und Besitzer der Begleyschen Stammlokale in Venedig erfahre. Und Begley hat sich dann am Ende des Buches zwar auch noch zu einem Essay über die drei Venedig-Autoren Henry James, Marcel Proust und Thomas Mann "aufgerafft". Über "langatmige" Nacherzählungen der Romanhandlungen kommt aber auch dieser nicht hinaus, kritisiert Schümer. Das Buch wimmele zudem von "kleinen und größeren" Fehlern. Und "vollends peinlich" findet der schließlich, wie die Autoren dann auch noch ihre beigefügten Urlaubsfotos kommentiert haben; sowie auch, dass sie nicht müde würden, sich "vor der Plebs zu ekeln" - wo sich doch frage, was Begley und die Seinen selbst eigentlich anderes seien "als naive amerikanische Touristen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2003

Der besprochene Band ist für die Rezensentin Renate Wiggershaus eine kenntnisreiche und "leichtfüßige" Liebeserklärung an die Lagunenstadt, mit der die Eheleute Louis Begley und Anka Muhlstein seit Jahrzehnten verbunden sind. Das Interesse der beiden Autoren gilt der Frage, wie verschiedene Schriftsteller die Stadt im Wechselspiel zwischen Emotion und Schauplatz beschrieben haben, wie sie gleichzeitig Kulisse und "dramatis personae" wurde. Begley verweist hier auf Henry James, auf Marcel Proust und auf Thomas Mann, der in seinem "Tod in Venedig" Wechselbeziehungen zwischen den Eigenschaften der Stadt und den Empfindungen seiner Figuren herausgearbeitet habe. Solche Einsichten fließen in Begleys Erzählung "der Königsweg nach Venedig" im vorliegenden Band ein, erzählt Wiggershaus. Die Fahrt mit der Gondel sei das Leitmotiv, welches Biografie, Essay und Fiktion verbinde. Anka Muhlstein, Historikerin und Biographin, nimmt Restaurants und Speisen zum Anlass für die Schilderung von Hintergründen und Begebenheiten des venezianischen Lebens. Die Rezensentin weist auf die Fotos der Familie Begley/Muhlstein hin, die den Band ergänzen.