Bogdan Musial

Kampfplatz Deutschland

Stalins Kriegspläne gegen den Westen
Cover: Kampfplatz Deutschland
Propyläen Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783549073353
Gebunden, 586 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Hitlers Feldzug gegen die Sowjetunion war kein Präventivkrieg, wie von Goebbels verbreitet und noch heute zu hören. Es war ein Aggressionskrieg par excellence. Doch wahr ist auch, dass die Sowjetführung unter Stalin seit den zwanziger Jahren, verschärft in den Dreißigern, ein gigantisches Aufrüstungsprogramm verfolgte, um einen Angriffskrieg gegen Westeuropa zu führen. Kaschiert wurde dies durch die Propaganda vom "friedliebenden" Vaterland der Werktätigen. Was in jenen dramatischen Jahren hinter den Mauern des Kreml vor sich ging, ist immer noch weitgehend unerforscht. Bogdan Musial zählt zu den wenigen westlichen Historikern, die breiten Zugang zu den Moskauer Archiven haben. Als erster hat er systematisch die einschlägigen Protokolle und Sonderakten der sowjetischen Führung, vor allem des Politbüros und des streng geheimen Verteidigungskomitees, ausgewertet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2008

Thomas Urban begrüßt Bogdan Musials Buch über "Stalins Kriegspläne gegen den Westen", das eine Lücke in der Forschung schließt. Der deutsch-polnische Historiker weist für ihn nach, dass Stalin über zwei Jahrzehnte die Eroberung Mitteleuropas plante, bis ihm Hitler mit dem Angriff 1941 auf die Sowjetunion zuvorkam. Dabei geht es dem Autor Urbans Einschätzung nach aber nicht darum, die These vom deutschen Präventivkrieg wiederzubeleben. So findet Urban bei Musial keine Entlastung der Deutschen. Vielmehr unterstreicht er dessen nachdrückliche Feststellung, Hitler habe von Stalins Plänen nichts gewusst, Moskau und Berlin hätten unabhängig voneinander einen Angriffskrieg vorbereitet. Ausführlich geht Urban auf die Darstellung von Stalins riesigem Aufrüstungsprogramm in den 30er Jahren ein, referiert die Finanzierung des Programms durch Agrarexporte und hebt den von Musial untersuchten Zusammenhang zwischen staatlich gefördertem Alkoholismus und Aufrüstung hervor. Er bescheinigt dem Autor, in seinem Buch eine Fülle bisher unveröffentlichter Dokumente aus Moskauer Archiven ausgewertet und ein "präzises und spannendes Bild der sowjetischen Militärpolitik bis zum Vorabend des Zweiten Weltkrieg" gezeichnet zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2008

"Beispielhaft" nennt Rezensent Hans-Erich Volkmann Bogdan Musials materialreiche Untersuchung zur expansionistischen bolschewistischen Militärstrategie und Außenpolitik zwischen 1920 und 1941. Die Lektüre eröffnet dem Rezensenten nicht nur die ganze Brutalität stalinistischer Zwangswirtschaft mit all ihren Folgen. Volkmann staunt auch über die gesammelten Zahlen und Informationen über Stalins Herrschaftssystem. Das Desaster des Finnlandfeldzugs versteht er nach der Lektüre besser, ebenso den Drang der Sowjetunion gen Westen. Gern mehr erfahren hätte Volkmann über die technologischen Entwicklungen des Sowjet-Militärs und die Frage nach dem weltrevolutionären Impetus von Stalins Expansionspolitik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.04.2008

Bogdan Musials Buch über Stalins Kriegspläne hat Rezensent Rudolf Walther nicht überzeugt. Im Wesentlichen hält er dem polnischen Historiker vor, seine zentrale These sei schlicht verkehrt. Die neuere historische Forschung hat für ihn hinreichend nachgewiesen, dass die Ansicht, Deutschlands Krieg gegen die Sowjetunion sei ein Präventivkriegs gegen eine von Stalin geplante Offensive gewesen, eine "Legende" ist. Er weist darauf hin, dass auch Musial den deutschen Überfall auf die Sowjetunion für einen ideologisch bedingten Angriffskrieg hält. Trotzdem suche der Autor auf nahezu 600 Seiten zu belegen, dass Stalin schon 1940 über "eine der schlagkräftigsten und mächtigsten Invasionsarmeen der Weltgeschichte" verfügt und "explizite Vorbereitungen" für einen Angriff auf Deutschland getroffen habe. Beiden Punkten widerspricht Walther vehement, Musial kommt in seinen Augen nur mit einer alten Legende im neuen Gewand daher.