Aus dem Russischen von Bernd Rullkötter. Nach seinen auch in Deutschland viel beachteten Memoiren legt Alexander Jakowlew, der sich unter Gorbatschow einen Namen als "Vater der Glasnost" und "Architekt der Perestroika" gemacht hat, eine scharfsinnige und schockierende Analyse der sowjetischen Geschichte und ihrer inneren Mechanismen vor. Sein eigener Werdegang und die damit verbundenen intimen Kenntnisse des sowjetischen Machtapparats ermöglichen Jakowlew dabei eine einzigartige Perspektive - als Zeuge und Beteiligter. Die Sichtung zahlloser, bisher unter Verschluss gehaltener Archivmaterialien und Dokumente lässt erschreckende Fakten über die Jahrzehnte des sowjetischen Terrors zu Tage treten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.07.2005
Viel Pro, aber noch mehr Contra erhält dieses Buch von Rezensentin Sonja Zekri. Alexander Jakowlews "Abrechnung" enthalte viel Neues selbst für diejenigen, die in ihrem Weltbild nie einen guten Lenin von einem bösen Stalin unterschieden hätten. Einem "Schwarzbuch" vergleichbar biete Jakowlew viele Quellendokumente, die belegten, wie Unmenschlichkeit von Anfang an im Kommunismus "angelegt" war. Als störend bis unsachlich nimmt Zekri allerdings den Tonfall und die Haltung des ehemaligen Politbüromitglieds Jakowlew wahr. Wie schon in seinen Memoiren trete er mit dem "Furor des Büßers" und zugleich des Anklägers der anderen auf, ohne ein Wort darüber zu verlieren, wie er es als Andersdenkender ins Politbüro geschaftt habe. Weit problematischer, so die Rezensentin, sei jedoch eine "kontextferne" Auflistung von Ungeheuerlichkeiten, die die Ursachen für Verbrechen letzten Endes in "der naturhaften Leidensfähigkeit Russlands sucht".
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