Herausgegeben vom Arbeitskreis "Stalin hat uns das Herz gebrochen" der Naturfreundejugend Berlin. Voller Hoffnung eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, remigrierten jüdische Kommunist*innen nach dem Zweiten Weltkrieg in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands. Doch schon bald sollten ihre Träume auf eine bessere Gesellschaft ohne Angst, auch vor antisemitischer Politik, der Realität stalinistischer Verfolgung weichen. Die Welle antisemitisch gefärbter Verdächtigungen gegen angebliche Spitzel, "Kosmopoliten" und "Diversanten" erreichte in der DDR Anfang der 1950er Jahre ihren Höhepunkt. Viele Jüdinnen und Juden, die sich selbst kaum als solche sahen, erlebten die Widersprüche der sich doch als antifaschistisch begreifenden Politik am eigenen Leib. Dabei war die Politik nie reiner Import der Sowjetunion. Sie wird in diesem Buch vielmehr aus einer mehrdimensionalen Perspektive begriffen, die theoretische und ideologische Konzepte nicht ohne ihre Entstehungsgeschichte, historische Ereignisse nicht ohne ihre subjektive Rezeption und Biografien nicht ohne ihre sozialen Kontexte betrachtet.
Rezensentin Zoe Sona bekommt mit diesem Band einen Überblick über den Antisemitismus in der Sowjetunion und im Ostblock. Die Vielschichtigkeit des Themas können die AutorInnen ihr nahebringen, indem sie den Antisemitismus analytisch in den politisch-historischen Kontext einbetten, die Verbindung zwischen Antisemitismus und Finanzkapitalismus analysieren und die Spannung zwischen europäischem und sowjetischem Nationalismus anhand von Einzelbiografien erörtern.
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