Die deutsche Minderheit in der CSR hatte eine zentrale Funktion bei der Errichtung und Durchführung der siebenjährigen deutschen Besatzungs- und Terrorherrschaft in der 1938/39 von Deutschland zerschlagenen demokratischen CSR. Die Schilderung der Ermordung von 260.000 tschechoslowakischen Bürgern jüdischer Herkunft, die Massaker an den "minderwertigen" Tschechen und die Nachkriegspläne der Deutschen zur Vernichtung der tschechischen Nation, bilden einen Schwerpunkt des Buches. Eine bundesrepublikanische Erfolgsstory erzählt Später im zweiten Teil des Buches: Die steilen Nachkriegskarrieren der Sudetendeutschen in der Bundesrepublik sind untrennbar verbunden mit der 1950 gegründeten "Sudetendeutschen Landsmannschaft", die bis heute über erheblichen politischen Einfluss verfügt.
Sehr instruktiv findet Rezensent Martin Jander dieses Buch über die Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft, das Erich Später, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung im Saarland, vorgelegt hat. Engagiert analysiere der Autor die Kontinuität der völkisch-rassischen Ideologie in der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Er zeige etwa auf, dass bereits seit der Gründung der demokratischen Tschechoslowakei 1918 größere Teile ihrer deutschsprachigen Minderheit die Zerschlagung dieses Staates und den Anschluss des "Sudetenlandes" an das Deutsche Reich anvisierten. Die von der NSDAP 1938/39 bewusst herbeigeführte Zerstörung der Tschechoslowakei beleuchte Später ebenso wie die brutale Mord- und Repressionspolitik der Deutschen während der Okkupation und die Integration der Vertriebenen sowie ihrer Organisationen in den westdeutschen Nachkriegsstaat. Deutlich werde auch, dass eine nicht unerhebliche Zahl der Nachkriegsfunktionäre der Sudetendeutschen Landsmannschaft als NSDAP- und SS-Mitglieder führend an der Zerschlagung der demokratischen Tschechoslowakei und an der "rassischen Neuordnung" beteiligt waren. Insgesamt würdigt Jander das Buch als eine "sehr gut recherchierte exemplarische Geschichte der neuen, alten deutschen Opfermythologie".
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