Assia Djebar

Durst

Roman
Cover: Durst
Unionsverlag, Zürich 2001
ISBN 9783293002791
Gebunden, 156 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Rudolf Kimmig. "Es war ein heißer, ja erstickender Sommer. Ich liebte meine Einsamkeit - und meinen Körper, der in das ruhige Meer eintauchte. Mit feuchten Haaren und Salz auf den Lippen ging ich zurück: mein einziger glücklicher moment. In diesem Augenblick sah ich sie. Ich rief ihren Namen: 'Jedla!' Meine Stimme klang erstickt; Erinnerungen, die in mir aufstiegen, hatten mir plötzlich Angst eingeflößt."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.11.2002

Den Erstlingsroman der großen maghrebinischen Autorin Assia Djaerbar stammt aus dem Jahre 1957, daher untersucht Karl-Markus Gauss seine heutige Relevanz. Damals, zur Zeit des Algerienkrieges, wurde der Autorin einerseits vorgeworfen, sie sei nicht politisch, und anderseits wurde sie für ihre freizügige Sprache gescholten, berichtet Gauss. Erzählt wird die Geschichte einer wohlhabenden jungen Frau, die auf der Suche nach ihrer Sexualität ist und die laut Rezensent Gauss tödlich endet. Die immer noch aktuelle Sprengkraft des Romans resultiere daraus, meint er, "dass in diesem ganz und gar unpolitischen Roman eine Frau den Vorsatz fasst, nicht schwesterlich noch mütterlich, sondern unmoralisch zu leben und sich zu nehmen, was sie begehrt". Was in den Augen von Gauss immer noch hochpolitisch ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.10.2001

Dirk Fuhrig kann für Assia Djebars Debütroman "Durst" von 1957, der jetzt in einer Neuübersetzung erschienen ist, nur lobende Worte finden. Bereits in diesem erstem Text macht er alle Elemente aus, die für ihn das späteres Werk der algerischen Schriftstellerin prägen: "Ein Stil, so kraftvoll, direkt und unverblümt, so klar und schneidend, wie ihn mit 21 nur ein großes Schriftstellertalent besitzt." Weniger als in ihren späteren Romanen ist laut Fuhrig allerdings der Bruch zwischen algerischer und französischer Kultur das Thema. Und vordergründig erscheine "Durst" sogar als ein unpolitisches Buch, als "eine Art postpubertäres Tagebuch einer jungen Algerien". Doch eines mit Sprengkraft, meint Fuhrig. Nicht nur, weil sich das emotionale Gewirr aus unterdrücktem Begehren, Eifersucht und Minderwertigkeitsgefühlen nur in einer Katastrophe auflösen kann. Auch die Art, wie Djebar ihre Ich-Erzählerin über ihr Gefühlsleben berichten lasse, befindet Fuhrig, sei für eine Algerierin zur Entstehungszeit des Texts "revolutionär" gewesen". Über die neue Übersetzung erfährt man leider nur in einem Halbsatz, dass sie an manchen Stellen "leicht ungelenk" sei.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2001

Renate Wiggershaus stellt die vollständig überarbeitete deutsche Ausgabe von "La Soif" vor, dem ersten Roman von Assia Djebar (eigentlich Fatima-Zohra Imalayene), den sie als 20-Jährige in Paris unter dem Eindruck des algerischen Unabhängigkeitskrieges geschrieben hat. Wider Erwarten spiele der Unabhängigkeitskrieg in diesem Roman keine Rolle. Der Krieg "sei so sehr Teil ihres Alltagslebens gewesen, dass sie damals außerstande gewesen sei, ihn in Literatur zu verwandeln", merkt die Rezensentin an. Von den drei Hauptthemen Liebe, Politik und Geschichte sowie Kunst und Sprache, die ihr späteres Werk prägen, beschränke sie sich noch auf das Thema Liebe und was sie bewirkt. "Durst" sei die Suche einer jungen Algerierin nach Neuorientierung und ein Lehrstück über das Verlassen herkömmlicher Rollenmuster, meint Wiggershaus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2001

Stefan Weidner scheint sich für das bereits 1957 erstmals erschienene Buch nicht wirklich erwärmen zu können. Zwar bescheinigt er dem Roman durchaus Poesie, besonders an den Stellen, in denen Frauen mit langem Haar in Cabrios an Küstenstraßen entlang fahren - die gleiche Art von Poesie also, die "alte Farbfilme" verströmen. Doch merkwürdig findet Weidner, dass Djebar dieses Buch über junge, reiche, gelangweilte Algerier mitten im Bürgerkrieg geschrieben hat und zu einer Zeit, als sie selbst als erste Algerierin in Sèvres studieren durfte und sich an einem Studentenstreik beteiligte. Für Weidner hat das "etwas von Weltflucht". Algerien scheint als Schauplatz seiner Ansicht nach geradezu zufällig gewählt: eine "Möchtegern-Cote-d'Azur", ein Land, das scheinbar keine Probleme hat, außer diesem, "nicht so schick wie Frankreich zu sein". Auch stilistisch findet Weidner dieses Buch alles andere als beeindruckend.
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