Yasmina Khadra

Doppelweiß

Kriminalroman
Cover: Doppelweiß
Haymon Verlag, Innsbruck 2000
ISBN 9783852183374
Gebunden, 158 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Nachwort und Interview von Beate Burtscher-Bechter. Es gibt viele Verdächtige, garantiert Unschuldige, falsche Spuren, eindeutige Hinweise und wild wuchernde Spekulationen von Romanfiguren und Lesern gleichermaßen. Doch die algerische Autorin Yasmina Khadra ist auch eine politische Autorin, die das Genre des unterhaltenden Kriminalromans zur kritischen Analyse von Politik und Gesellschaft ihres Heimatlandes nützt. Die erfundene Geschichte vom Millionär Faid Dahmane, den Strohmännern seines illegalen Finanzimperiums und den damit zusammenhängenden Morden deckt tatsächliche Verhältnisse auf. Khadra schildert die Atmosphäre von Angst und Verzweiflung, Demütigung und Unterdrückung sowie hilflosem Aufbegehren, nennt Korruption, Verbrechen und Terror beim Namen, auch wenn die heute Mächtigen dahinterstecken. Denn sie schiebt die Schuld an den Zuständen nicht allein den Islamisten zu. Das ist auch der Grund, warum Khadra ihre Romane unter einem Pseudonym schreiben muss.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.10.2001

Mit dieser Krimi-Trilogie ("Morituri", "Doppelweiß", "Herbst der Chimären") hat es seine besondere Bewandtnis, berichtet Robert Brack: der Autor war Offizier der algerischen Armee, schrieb sich seine Sorgen um sein Land unter weiblichen Pseudonym von der Seele und musste nach Aufdeckung dieses Geheimnisses fluchtartig das Land verlassen. Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra lebt heute im französischen Exil. Sein Protagonist heißt Llob, ist Kommissar, Patriot, praktizierender Muslim, kein Zyniker und kein gewöhnlicher Krimiheld, meint Brack. Die Verbrechen, die er aufzuklären hat, sind meist blutiger, bestialischer Natur; kommt es zur Aufklärung der Verbrechen werde dies nie als Erfolg gefeiert, da die blutige Maschinerie weiterlaufe, erklärt Brack den Unterschied zur herkömmlichen Genreliteratur. Die Verbrechen, die Khadras Krimis behandeln, haben für Brack immer mit den Ursachen der algerischen Krise zu tun; für ihn, schreibt Brack, hätten auch die blutigsten Taten einen rationalen Hintergrund.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.02.2001

Den Ansatz Yasmina Khadras, in Form von Krimis die Zustände in Algerien "ins rechte Licht" zu rücken - so äußert es die Pseudonym-Autorin im Anhang des Buches - findet Heinz Hug sehr löblich. Auch sprachlich hat ihn der Roman überzeugt. Sicher auch dank der "gelungenen" Übersetzung von Regina Keil-Sagawe, lobt der Rezensent. Deutliches Missfallen äußert er aber über Khadras Frauenbild. Einerseits habe der Autor, ein ehemaliger Armee-Offizier, bewusst ein weibliches Pseudonym gewählt, um die Tapferkeit der algerischen Frauen zu würdigen. Davon merke man aber andererseits im Roman selbst recht wenig, berichtet Hug. Frauen glänzten dort durch Abwesenheit oder träten allenfalls als "Miezen" in Erscheinung. Abgesehen von dieser Kritik empfiehlt der Rezensent aber "Doppelweiß". Der 1997 im Original erschienene Krimi habe an Brisanz und Aktualität nicht verloren.