Der Junge im Taxi
Roman

Unionsverlag, Zürich 2025
ISBN
9783293006324
Gebunden, 192 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer. Wer ist dieser M., über den die Familie nicht reden will? Auf der Beerdigung seines Großvaters erfährt Simon von dessen verleugnetem Sohn. Am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gezeugt und zurückgelassen, ist M. nicht mehr als eine Leerstelle, eine vage Erinnerung.Simon, selbst mit dem Ende seiner Beziehung konfrontiert, lässt der Gedanke an diesen deutschen Jungen nicht los. Was für ein Leben hat er gelebt, war er einsam, verlassen, frei? Ist er es noch? Die Suche treibt Simon von Südfrankreich an den Bodensee, wo sich vergessene Spuren mit den seinen kreuzen und ein neues Bild ergeben. Hunderttausende Kinder von Besatzungssoldaten haben ihre Väter nie kennengelernt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2025
Rezensentin Lena Bopp hebt hervor, wie geschickt Sylvain Prudhomme familiäres Schweigen literarisch inszeniert. Der Erzähler Simon stößt nach dem Tod des Großvaters auf einen bislang verschwiegenen Onkel - "M.", gezeugt während der Besatzungszeit. Was als Spurensuche am Schreibtisch beginnt, wird zu einem Roadtrip an den Bodensee, freut sich die Kritikerin. Doch der französische Teil der Familie möchte dieses Unterfangen unterbinden: Die Mutter blockt, die Großmutter droht gar mit Verstoßung. Nur der alte Großonkel Louis bricht das Schweigen und hilft Simon bei der Suche. Bopp betont die "rauschhaften Passagen ohne Interpunktion" und den psychologisch sensiblen Blick. Besonders interessant wird Franz, der angeheiratete deutsche Onkel: erst Klischee, dann Brückenbauer, lobt die Kritikerin. So verbindet Prudhomme intime Familiengeschichte mit verdrängter Nachkriegstrauer.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.07.2025
Rezensent Christoph Vormweg ist großer Fan! Als beeindruckendes "Plädoyer wider die Geschichtsgewissenheit" lobt er den Roman, in welchem der Schriftsteller Simon nach dem Tod seines Großvaters erfährt, dass dieser einen verleugneten Sohn in Deutschland hatte. Simon macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Verwandten und stößt dabei auf lange verdrängte Familiengeheimnisse aus dem Zweiten Weltkrieg. Vormweg betont besonders, wie es dem französischen Autor gelinge, ein vertrautes Thema ganz ohne aufgesetzte Dramatik, dafür mit stiller Intensität und feinen Gefühlsnuancen zu erzählen und dennoch große Spannung zu erzeugen. Dabei bewahre der Roman nicht nur Geschichte vor dem Vergessen, sondern durchbreche auch familiäre Stereotype und mache spürbar, wie tief Vergangenes in der Gegenwart nachwirke.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.07.2025
Rezensentin Sarah Elsing freut sich, dass Sylvain Prudhomme nun auch in Deutschland bekannter wird und Claudia Kalscheuer einen weiteren seiner Romane übersetzt hat: Hier geht es um die Familie Malusci, der Großvater ist gestorben und beim Leichenschmaus lüftet der Onkel dem Ich-Erzähler Simon gegenüber sein Geheimnis. Er hatte als Besatzungssoldat ein Kind mit einer Deutschen, Simon macht sich in dieser laut Kritikerin poetisch und berührend geschriebenen Geschichte auf die Suche - so erzählt Prudhomme Elsing nicht nur eine Familiengeschichte, sondern ein deutsch-französisches Thema, das lange vergraben war. Spannend, emotional und bedeutend, befindet sie abschließend.