Klappentext

Herausgegeben von der Humboldt-Universität zu Berlin und der Akademie der Künste, Berlin. Wissenschaftliche Leitung: Frank Hörnigk und Julia Bernhard. In der authentischen Fassung der Erstausgabe von 1937 erscheint "Einsetzung eines Königs" erstmals wieder ohne die Eingriffe der DDR-Zensur. Der Roman schließt unmittelbar an Zweigs Welterfolg "Der Streit um den Sergeanten Grischa" an.
Es ist Frühjahr 1918. Hauptmann Paul Winfried, ehemaliger Kunststudent und Neffe des Generals von Lychow, ist mit patriotischen Idealen in den Krieg gezogen. Nun werden ihm im Dschungel politischer Intrigen die Augen geöffnet. Winfried gerät zwischen die Mühlsteine jener Interessengruppen, die um wirtschaftliche und politische Einflußsphären kämpfen. Demonstrativ sagt er sich von dieser Welt los. Auch sein Traum vom persönlichen Glück wird zerstört. Zweig arbeitete an diesem Roman zwischen 1932 und 1937 in seinem Exil in Palästina. Er zeigt die Intensität antisemitischer Strömungen im deutschen Heer und gibt ein genaues Bild jüdischen Lebens in Litauen, das einige Jahre später ausgelöscht werden sollte.
Der Anhang bietet eine Auswahl unveröffentlichter Texte aus dem Kontext des Werkes. Neben erläuternden Anmerkungen beleuchtet der Kommentar die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Romans. Der Band setzt die anerkannte editorische Qualität der Berliner Ausgabe auf hohem Niveau fort.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2005

Dies ist seit seiner Erstveröffentlichung im Amsterdamer Exilverlag Querido die erste unzensierte Fassung dieses 1935 in Palästina entstandenen Romans von Arnold Zweig, der zu seinem großen Romanzyklus "Der große Krieg der weißen Männer" gehört. Das Buch sei in der DDR mehrfach veröffentlicht worden, verrät Rezensent Andreas Kilcher, aber nur in einer zensierten Fassung, weil es unter anderem galt, den Namen Trotzkis zu tilgen. Die nun vorliegende Veröffentlichung in der Originalform verdankt sich der Berliner Zweig-Ausgabe, die Kilcher allerdings zu spärlich kommentiert findet. So sei dem Herausgeber offensichtlich entgangen, stellt Kilcher fest, dass sich hinter der Person des Leutnants Perl der Künstler Hermann Struck verberge, der in der Militärverwaltung "Ober-Ost" während des Ersten Weltkriegs das Referat für Jüdische Angelegenheiten leitete und Schriften Arnold Zweigs illustrierte. Inhaltlich knüpft "Einsetzung eines Königs" an den "Sergeanten Grischa" an, informiert der Rezensent, einen der bekannteren Romane Arnold Zweigs. Das Ostjudentum, dem er an der Ostfront im Ersten Weltkrieg begegnet war und das er in seinem Essay "Das ostjüdische Antlitz" porträtierte und idealisierte, werde in diesem mit zeitlichem Abstand entstandenen Roman sehr viel realistischer dargestellt: im Umbruch zwischen Tradition und Moderne, im Schwanken zwischen Bolschewismus und Zionismus.
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