Konrad Merz

Generation ohne Väter

Roman
Cover: Generation ohne Väter
Aufbau Verlag, Berlin 1999
ISBN 9783351028732
Gebunden, 288 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Nach seinem hochgelobten Erstling "Ein Mensch fällt aus Deutschland" schrieb Konrad Merz 1937/38 als junger Emigrant in Holland seinen zweiten Roman: "Generation ohne Väter". Auf dem Wege zum Verleger ging das Manuskript verloren und kam erst 1948 wieder in die Hände des Autors. Danach galt es wiederum als verschollen, wurde wiedergefunden und jetzt erstmals veröffentlicht. Der Roman erzählt von einer kleinen Gruppe deutscher Emigranten 1935 in Holland: Fatalisten, Anarchisten, Linke, Bürgerliche, Phantasten - skurrile Gestalten, spitzfindig und bizarr wie aus einer E. T. A.-Hoffmann-Welt. Vieles in ihnen ist groß: ihre Angst, ihr Zorn, ihre Sehnsucht, am größten ist ihre Hilflosigkeit. Ein junger Mann, einer von ihnen, erzählt ihre Geschichte. Ihre meist untauglichen Projekte zur Rettung Europas, ihre ethischen Vorstellungen vom "Neuen Menschen" vertreten sie mit Vehemenz und der Hoffnung, den jungen Mann formen, bilden, auf ihre Seite ziehen zu können. Keiner aber bringt ihn so durcheinander wie Madeleine, die kleine Französin, elfenhaft und sinnlich, realitätsverbunden, zielstrebig - und zerbrechlich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2000

Andreas Nentwich stellt in seiner Rezension zunächst den Autor vor, der als jüdischer Emigrant 1936 einen Tagebuchroman "Ein Mensch fällt aus Deutschland" veröffentlicht hat und dessen zweiter Roman mehrmals verloren ging, bevor er kürzlich wiedergefunden wurde. Dieser zweite Roman zeichnet die Welt der Emigranten aus der Sicht eines namenlosen jungen Mannes, so Nentwich. Seine Leidensgenossen sind "gepeinigte Peiniger", deren Sinnangebote in etwas münden, "wovon sie doch eigentlich befreien sollen: in den Totalitarismus". Stilistisch, gibt Nentwich fast ungern zu, ist der Roman keineswegs gelungen. "Zu hölzern" wird debattiert und zu klischeehaft geraten die Gestalten in ihrer "grotesken Überzeichnung". Dennoch sei der Roman "kein Leichtgewicht". Die Erkenntnis, dass das "Menschsein unter Menschen" jedem Ideal vorzuziehen ist, adelt das Buch in Nentwichs Augen.
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