Detlev Meyer

Das Sonnenkind

Roman
Cover: Das Sonnenkind
Aufbau Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783351029005
Gebunden, 188 Seiten, 16,82 EUR

Klappentext

Dieser Roman über die Kindheit und das Glück schildert den Kosmos eines neunjährigen Jungen um das Jahr 1960. Carsten Scholze, das Alter ego des Autors, ist ein aufgewecktes Kind mit ausgeprägtem schauspielerischem Talent, das bei den Nachbarn vom Truseweg bis zum Neuköllner Schiffahrtskanal gleichermaßen beliebt ist - ein "Sonnenkind" eben. Seine wichtigste Bezugsperson ist der Großvater Max Wollin. Der alternde Lebemann nimmt den Enkel mit auf seine Ausflüge in die feine Welt des Café Kranzler. Mit den Augen des Jungen erleben wir traurige und komische Schicksale, die zeigen, dass das Leben im Truseweg die ganze Spannweite menschlicher Erfahrung ausmisst. In der kleinen Welt dieses Sträßchens wird geliebt, gehasst und gestorben - genau wie in der großen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2002

Wenn Rezensentin Pia Reinacher diesen Roman als "mitteilsame Literatur" kennzeichnet, dann ist das kein Lob. Ihr scheint nicht so ganz einzuleuchten, dass die Großmutter die "Zweitgattin" des Großvaters notgedrungen akzeptiert und dass der kleine Enkel alle "verwandtschaftlichen Eskapaden" schadlos übersteht. Ja, überhaupt, wie hier "trister Alltag" im Roman versüßt wird, das könnte man durchaus - als zwar in "prächtig verzierte Sprache verpackte" - aber dennoch bloß "triviale Unterhaltung" bezeichnen, meint Reinacher unzufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2001

Als der Autor 1999 starb, trauerte die Schwulenszene laut Christiane Schott um den "einzigen Dandy der Gegenwartsliteratur". Das Dandyhafte muss er von seinem Großvater gehabt haben, mit dem er ins Café Kranzler ging und dort die Sinalco-Limo im Cognacschwenker serviert bekam. Christiane Schott schildert diese Szene mit viel Sympathie, so wie ihr der nachgelassene autobiografische Roman über eine Westberliner Kindheit in den 60er Jahren überhaupt sehr lesenswert erscheint. Sie bewundert die Gabe des Autors, die Ereignisse von damals nicht zu kommentieren, sondern in Dialogen zuzuspitzen und atmosphärisch zu reanimieren. Meyers Milieu war das der kleinen Leute, analysiert Schott, "die gern ein bisschen größer gewesen" wären. Sein Dandytum - eine Lebenshaltung - habe Meyer insofern nie aufgegeben, als dass er die "Leichtigkeit des Erzählens" bis zum Schluss "kultiviert" habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.06.2001

Als Berlin-Roman charakterisiert Dirk Fuhrig Detlev Meyers "Sonnenkind", doch dieses Buch ist viel mehr, wie seiner Rezension zu entnehmen ist. Das Sonnenkind Carsten wächst im Neukölln der 50er Jahre auf, und neben einer "armen, aber stets verwegen gekleideten Tante aus dem Osten", einem "kapriziösen Komponisten" und "einer Hand voll netter Nachbarn", die das Kinderidyll umgeben, ist es der Großvater, der sein Leben beeinflusst und bereichert, ihm Welten eröffnet, die Gleichaltrigen verschlossen bleiben. Mit dem Tod des Großvaters endet der Roman, mit dem Meyer "ein Sittenbild des Deutschlands der späten 50er Jahre" gelungen ist, das, persönlich und alltäglich zugleich, seines gleichen sucht, findet Fuhrig. Er hebt außerdem hervor, dass dieser postum erschienene Roman in den letzten Monaten des Autors entstand, bevor er dem Aids-Virus erlag. Aus dieser Perspektive erscheine der Roman als eine Art Flucht in ein sorgenfreies Kinderidyll, jedoch frei von Larmoyanz, wie Fuhrig betont. "Sonnenkind" sei somit gleichzeitig eine Liebeserklärung an seine Eltern, denen der Autor das Buch gewidmet habe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001

Ein vom Literaturbetrieb zu Unrecht kaum beachteter Autor, schreibt Heribert Hoven über Detlev Meyer. Hoven allerdings unternimmt selbst nicht eben viel dagegen. Über Meyer erfahren wir, außer seinem Todesjahr, eigentlich nichts. Und dass des Autors letzter Roman "Das Sonnenkind" Impressionen und Episoden der 50er Jahre ganz ohne Bitternis, aber dennoch mit Sinn für die Verdrängungsmechanismen dieser Zeit festhält, wie es heißt, wobei Tucholsky und Kästner Pate gestanden haben sollen (inwiefern denn?), macht nicht mal richtig neugierig.
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