Als Alfred Herrhausen im November 1989 durch eine Bombe der RAF getötet wurde, verlor nicht nur Helmut Kohl einen Vertrauten - das Land verlor einen der brillantesten Manager der Nachkriegszeit. Sein Werdegang vom Eliteschüler der NSDAP-Reichsschule in Feldafing zum Chef der Deutschen Bank und mächtigsten Bankier der Republik spiegelt deutsche Wirtschaftsgeschichte. Er gehörte zu ihren herausragenden Repräsentanten, neben Edzard Reuter oder Hanns Martin Schleyer, mit dem er das gleiche Schicksal teilen sollte. Andreas Platthaus schreibt die Biografie eines Unternehmers, der zugleich Visionär war, ebenso scharfsinnig wie unbequem. Herrhausen hat frühzeitig die Herausforderung der Globalisierung für Deutschland erkannt und die Wirtschaftselite gegen sich aufgebracht - nicht zuletzt mit seiner Forderungnach Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt. Es entsteht das überraschende Porträt eines Mannes, der zu Lebzeiten stets umjubelt und umstritten war, und in vielem seiner Zeit weit voraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.03.2006
Der Rezensent Rudolf Walther ist ziemlich verärgert über diese Biografie des von der RAF ermordeten Bankchefs Alfred Herrhausen. Der FAZ-Redakteur Andreas Platthaus, der selbst einmal Lehrling bei der Deutschen Bank war, leistet seiner Meinung nach nicht mehr als "apologetische Hofberichterstattung." Zudem enthalte das Porträt zuviel Redundantes und sei "langatmig erzählt". Das Kapitel, das die Ermordung Herrhausens behandelt, ist nach Walthers Meinung völlig "banal." Hier empfiehlt der Rezensent dem Leser, sich besser an Andres Veiels "Black Box BRD" zu halten. Überhaupt schätzt Walther Persönlichkeit und Bedeutung Herrhausens grundsätzlich anders ein als der Autor. Während etwa Platthaus Herrhausens Dissertation für "bedeutsam" hält, bezeichnet der Rezensent sie als "lebkuchenvers-taugliche Interessentenprosa". Und Herrhausens "schlichte" Marktgläubigkeit verherrliche der Autor fälschlicherweise als "Versöhnung des Finanzkapitalismus mit sich selbst", wettert Walther.
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