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Andres Veiel

Black Box BRD

Alfred Herrhausen, die Deutsche Bank, die RAF und Wolfgang Grams
Cover: Black Box BRD
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart 2002
ISBN 9783421054685
Gebunden, 282 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Andres Veiel schreibt "Black Box BRD" aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Er stellt den Lebensweg eines der mächtigsten Männer Deutschlands der Geschichte von Wolfgang Grams, dem mutmaßlichen RAF-Terroristen, gegenüber. Seine Spurensuche führt ihn zurück in die Verstrickung der Deutschen in den Nationalsozialismus und die frühe Geschichte der Bundesrepublik. Beide Figuren, Alfred Herrhausen und Wolfgang Grams, stehen beispielhaft für zwei gegensätzliche Lebenswege, deren unterschiedliche Bedingungen und Ausformungen von Andres Veiel in ein neues Licht gestellt werden. Noch nie ist die Geschichte von mutmaßlichen Tätern und Opfern in diesem Kampf so eindringlich und beklemmend beschrieben worden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2003

Keineswegs, betont der Rezensent Andreas Platthaus, sei dieser Band, der nun zwei Jahre nach dem allseits gefeierten Dokumentarfilm gleichen Titels erscheint, einfach nur das "Buch zum Film". Die Perspektiven haben sich durchaus verschoben - was zum einen mit dem Unterschied der Medien zu tun hat, aber auch damit, dass nun die RAF-Terroristin Birgit Hogefeld wieder beteiligt ist. Sie hatte am geplanten Film über Wolfgang Grams zunächst mitgearbeitet, war dann aber, als sich Veiel entschloss, das Leben des Bankiers Alfred Herrhausen parallel zu erzählen, ausgestiegen. So anregend und eigenständig und über den Film hinausführend Platthaus dieses Buch allerdings findet: die "Leerstellen", die den Film gerade reizvoll machten, erscheinen ihm hier nun als Mangel.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.12.2002

Heribert Prantl umarmt dieses Buch schon auf den ersten Zeilen: "Es ist ein packendes Buch. Und es ist eines der besten Bücher über die RAF-Zeit, die ich je gelesen habe." Die Nüchternheit mit der das Buch quasi protokollarisch auf die Leben des Deutsch-Bank-Chefs Herrhausen und des RAF-Mitglieds Grams blicke, begeistert Prantl besonders. Der Autor, lobt Prantl, schneide die Entwicklung dieser beiden Menschen, Jahrgang 1930 der eine, Jahrgang 1953 der andere "so trefflich gegeneinander, das der Leser die Kräfte spürt, die in diesem Deutschland wirken." Es geht um Herrhausens Aufstieg in der Deutschen Bank und Grams' Ausbruch aus dem bürgerlichen Leben. Herrhausen habe deutlich mehr Gewicht in diesem Buch, doch das stört Prantl nicht. Denn die Schilderungen der hausinternen Machtkämpfe in der Deutschen Bank gehen Prantl "am meisten unter die Haut". Wie der gleichnamige Film des Autors lasse das Buch Freunde, Feinde und Angehörige die Geschichte erzählen, und schaffe so Raum für neue Spekulationen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.12.2002

Andres Veiels Film "Black Box BRD" über den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, der 1989 bei einem von der RAF verübten Attentat ums Leben kam, und RAF-Mitglied Wolfgang Grams, der sich vermutlich 1993 in Bad Kleinen selbst erschossen hat, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, nun liegt das gleichnamige, wesentlich umfangreichere Buch vor, berichtet Gottfried Oy. Doch das Buch hat den Rezensenten wenig beeindruckt. Zu sehr stelle sich beim Leser die Vorstellung ein, bei Herrhausen und Grams handle es sich, auch wenn der eine ein "Wirtschaftsführer" und der andere ein "Topterrorist" gewesen sei, um "verhinderte Aussteiger" - jeder auf seine Weise und letztlich könne man beide miteinander "posthum versöhnen". Oy findet diese Annäherung und Parallelisierung doch etwas konstruiert und misslungen. Denn gesellschaftliche Kontexte und "strukturelle Verhältnisse" ließen sich nun mal nicht, so der Rezensent, auf Lebensläufe reduzieren. Und von Versöhnung könne angesichts der Weigerung der deutschen Justiz, die RAF-Geschichte auch selbstkritisch zu betrachten, sowieso keine Rede sein, schließt der Rezensent.