Willi Winkler

Der Schattenmann

Von Goebbels zu Carlos: Das mysteriöse Leben des Francois Genoud
Cover: Der Schattenmann
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783871346262
Gebunden, 352 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Keiner kennt ihn, und nicht wenige bezweifeln, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Aber für dieses Dunkel hat er selbst gesorgt: Francois Genoud, Schweizer Bankier, überzeugter Nazi, Förderer des Linksterrorismus. Wer war dieser Mann, in dessen Person sich die Extreme des 20. Jahrhunderts in einzigartiger Weise berühren? Während des "Dritten Reichs" war Genoud für den deutschen Geheimdienst tätig und konnte sich später die lukrativen Rechte an den Schriften von Joseph Goebbels sichern. In den Fünfzigern engagierte er sich im algerischen Befreiungskampf, dann wandte er sich den palästinensischen Terrororganisationen zu, die für Entebbe, Mogadischu und das Massaker in München 1972 verantwortlich waren. Es fiel Genoud nicht schwer, Wadi Haddad und Carlos bei Flugzeugentführungen, Attentaten und Erpressungen zu unterstützen und zugleich Kriegsverbrechern wie Adolf Eichmann und Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, beizustehen.
Willi Winkler erzählt von einem Mann im Hintergrund, einem Strippenzieher, der mit den wichtigsten Geheimdiensten verbandelt war und er zeichnet das Psychogramm dieses Schattenmanns, dessen Geschichte ein ganz neues Licht auf das Netzwerk alter und neuer Nazis und deren Verbindungen zum Linksterrorismus wirft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2011

Auch Willi Winklers biografische Skizze kann den Schattenmann Francois Genoud nicht fassen. Wer im richtigen Leben derart zwischen Ober- und Unterwelt operiert, von den Geheimdiensten gejagt und zugleich protegiert wird, gibt zwar Stoff für eine bizarre Geschichte ab, meint Rezensent Daniel Koerfer. Gut möglich aber auch, dass er im Dunkelgrau all der dubiosen Kontakte und Seilschaften, von den Nationalsozialisten bis zur algerischen Befreiungsbewegung, verschwindet und seine Rolle bei Terror und Terrorvermeidung (gegen Bares, versteht sich) unklar bleibt. Der Leser, erkennen wir mit Koerfer, steht jedenfalls mit ziemlich leeren Händen da, ohne Beweise und etwas ratlos.