Avraham Barkai

Oscar Wassermann und die Deutsche Bank

Bankier in schwierigen Zeiten
Cover: Oscar Wassermann und die Deutsche Bank
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529580
Gebunden, 181 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Oscar Wassermann (1869-1934) entstammte einer alteingesessenen, wohlhabenden bayerischen Familie, deren Stammbaum sich bis ins 17. Jahrhundert hin zur jüdischen Gemeinde Regensburg verfolgen lässt. Die 1850 von ihr gegründete Bank A. E. Wassermann entwickelte sich rasch zu einer der angesehensten jüdischen Privatbanken in Deutschland. Die Erfolge Oscar Wassermanns als Leiter der Berliner Filiale bewogen den Vorstand der Deutschen Bank, ihn 1912 in ihre Chefetage zu berufen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2005

Einen deutschen Patrioten und eine große Führungspersönlichkeit der Deutschen Bank sieht Rezensent Jürgen Jeske in Oscar Wassermann, der von 1923 bis 1933 Vorstandsprecher der Deutschen Bank war, aus der er als Jude 1933 gedrängt wurde. Zu seinem Bedauern ist in Avraham Barkais Porträtskizze über Wassermanns erfolgreiche Tätigkeit bei der Bank und als politischer Ratgeber nur "stichwortartig" die Rede. Mehr als zwei Drittel des Textes befassten sich mit Wassermanns Privatleben und seinem zionistischem Engagement. Allerdings gehe es dem Autor, Mitglied der Historischen Kommission der Deutschen Bank, auch nicht um eine umfassende Biografie - schließlich sei Wassermanns Rolle als Banker bereits hinreichend gewürdigt worden, etwa in der Geschichte der Deutschen Bank. Barkai wolle vor allem dem Menschen Wassermann nachspüren, der gleichermaßen deutscher Patriot und engagierter Jude war. Angesichts der schwierigen Quellenlage - Wassermann war in Privatangelegenheiten sehr verschlossen, sein Nachlass ist verschollen - keine leichte Aufgabe. In einem Punkt widerspricht Jeske dem Autor: Vergessen wurde Wassermann nicht. So wurde er nach Auskunft des Rezensenten in der Festschrift der Bank von 1970 zum hundertjährigen Bestehen eben sooft erwähnt wie seine großen Vorgänger und in der 1995 erschienenen Geschichte der Bank werden sein unternehmerisches und sein jüdisches Engagement ausführlich dargestellt, ebenso die Umstände seiner Entlassung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.07.2005

Thomas Meyer meint, dass es kaum einen "geeigneteren" Biografen für den jüdischen Bankier Oscar Wassermann geben kann als den Historiker Avraham Barkai, der sich bereits durch Publikationen über jüdische Protagonisten im deutschen Wirtschaftsleben im 19. und 20. Jahrhundert einen Namen gemacht hat. Der Rezensent referiert in seiner Besprechung der Biografie detailliert den Lebensweg des Bankiers, der als Abkömmling einer deutschen Privatbank 1912 zur Deutschen Bank wechselte und dort bis zum "Sprecher" des Unternehmens aufstieg, bevor er 1933 unter dem Druck antisemitischer Hetze entlassen wurde. Insbesondere Wassermanns Engagement für "zahlreiche akademische, karitative und politische" jüdische Organisationen, die er neben seinem Beruf unterstützte, werden von Barkai mit bisher "unbekannten Dokumenten" nachgewiesen, so der Rezensent anerkennend, auch wenn er findet, dass der Autor manchen "Archivspuren" über diese Seite von Wassermanns Leben noch gründlicher hätte nachgehen sollen. Insgesamt aber lobt er, dass Barkai mit dieser Biografie "eindrücklich" an eine "ungemein bedeutsame Persönlichkeit" erinnert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.06.2005

Oscar Wassermann, Jahrgang 1869, gestorben im Jahr 1934, war mal einer der bedeutendsten Finanzmänner der Weimarer Republik. Er war Vorstandssprecher der Deutschen Bank und stammte selbst aus einer Bankiersfamilie, teilt Daniel Jütte mit, der die im Umfeld einer von der Deutschen Bank eingesetzten Historikerkommission entstandene Biografie des renommierten Historikers Avraham Barkai mit Interesse und Spannung gelesen hat. Denn Wassermann war ein "nichtzionistischer Zionist", ein Paradox, das die deusch-jüdische Geschichte laut Jütte häufiger produziert hat und wofür Barkai ein ausgewiesener Fachmann sei. So war Wassermann einerseits ein Rechtskonservativer, der die politische Entwicklung der Weimarer Republik wie viele falsch einschätzte; andererseits gründete er den "Jüdischen Friedensbund" und war Vorsitzender des deutschen Palästina-Aufbaufonds, auch wenn er persönlich kein Interesse an Palästina hatte. Sein Einsatz war trotzdem "weitaus mehr als nur ein repräsentativer Gestus", bekundet Jütte. 1933 wurde Wassermann aus dem Amt gedrängt, vervollständigt der Rezensent Wassermanns Lebenslauf, seine Familie erhielt erst 1955 eine bescheidene Wiedergutmachung. Die nun entstandene Biografie würdigt das Andenken Wassermanns auf angemessenere Weise, schließt Jütte.