Andreas Oplatka

Graf Stephan Szechenyi

Der Mann, der Ungarn schuf
Cover: Graf Stephan Szechenyi
Zsolnay Verlag, Wien 2004
ISBN 9783552053175
Gebunden, 500 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Aristokrat, Aufklärer und Romantiker, Weltreisender und Großgrundbesitzer, Offizier in der habsburgischen Armee, Gründer der ungarischen Akademie der Wissenschaften, Förderer der ersten Eisenbahnen und Initiator der Brücke zwischen Buda und Pest - Stephan Szechenyi (1791 bis 1860) war ein Mann des 19. Jahrhunderts und dachte doch weit über seine Zeit hinaus. Dank seinem Unternehmungsgeist und seiner Tatkraft entstand ein neues, modernes Ungarn. Andreas Oplatkas Biografie bietet das Bild einer überragenden Persönlichkeit und zugleich das Panorama einer ganze Epoche.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

"Faszinierend" findet Rezensent György Dalos diese Biografie über Graf Stephan Szecheny (1792 bis 1860), die Andreas Oplatka hier vorgelegt hat. Dalos würdigt den Grafen als "außergewöhnlichen Mann" und "Vordenker des modernen Ungarn". Das Land verdanke ihm nicht nur einen Klassiker der Ökonomie, in dem Szecheny ein Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur umfassendes Modernisierungsprojekt entwarf, sondern auch die aus eigenen Vermögen finanzierte Gründung der Akademie der Wissenschaften, einen Verein für Tierzucht, etliche Fabriken, Dampfmühlen und nicht zuletzt die Kettenbrücke, die Buda mit Pest verbinden sollte. Überhaupt habe der ebenso gebildete wie wohlhabende Aristokrat, der mit 33 Jahren zur Politik kam, leidenschaftlich die Vision vertreten, Ungarn, das Anfang des 19. Jahrhunderts eine rückständige Provinz der Habsburgmonarchie war, auf europäisches Niveau zu heben. Oplatka gelinge es, lobt der Rezensent zusammenfassend, "eine mehrfach gebrochene Laufbahn zu rekonstruieren, ihre innere Logik und seelischen Hintergründe aufzuzeigen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2005

Ein "grandioses Porträt" sieht Wolfgang Sander in Andreas Oplatkas Biografie des Grafen Stephan Szechenyi, einem Wegbereiter des modernen Ungarn. Sander beschreibt den Grafen als einen konservativen Reformer mit liberalen Ideen, rühmt seinen Weitblick, seine selbstlose Haltung und sein Gespür für pragmatische Veränderungen und für technologischen Fortschritt, und würdigt seine Fähigkeit, Kausalitäten erkennen zu können, etwa zwischen intaktem Verkehrswesen und wirtschaftlicher Prosperität oder angemaßten Privilegien und sozialer Rückständigkeit. Oplatka gelinge nicht nur ein "facettenreiches Bild" Szechenyis, sondern im gleichen Maße eine "überaus anregende" Technik- und Wirtschaftsgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Flussregulierungen, Gründung der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Förderung der Seidenraupenzucht, Initiative für Feuerversicherungen, Einführung von Dampflokomotive und Dampfmühle, Bau des Burgtunnels, Aufbau des Kreditwesens waren nur einige der Reformtaten und Einrichtungen Szechenyis. "Wer nicht für möglich halten würde, dass die komplexe Geschichte Mitteleuropas auch als ein lebendiger Adelsroman erzählt werden kann", schließt der Rezensent, "dem sei diese grandios-akribische Darstellung von Andreas Oplatka ans Herz gelegt".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2005

Eine "Lehrstunde für heute", die "keine Wünsche offen lässt", hat Andreas Oplatka vorgelegt, schwärmt Rezensent Hans Pleschinski. Der ungarisch-schweizerische Publizist hat Stephan Graf Szechenyi, dem "Proteus der Magyaren" eine mehr als lesenswerte Lebensbeschreibung gewidmet. Alle wesentlichen Ereignisse und Stationen - vom Offiziersdienst über zahlreiche Affären mit meist verheirateten Frauen bis hin zur "schillernden Neubegründung Ungarns" - sind in Oplatkas Werk versammelt. "Behutsam" nähert sich der Autor den oft mysteriösen Stimmungsschwankungen des Nationalhelden, erfreulich "unakademisch" wirkt sein Epochenbild der Donaumonarchie, lobt der Rezensent. Darüber hinaus stelle Oplatka die "richtigen" Fragen, zum Beispiel ob das alte Österreich als "Präfiguration" des vereinten Europa gelten kann oder wann Nationalgefühl in Verblendung umkippt. So bietet die Biografie nicht nur einen "lohnenden Blick" in die Geschichte, sondern bringt zudem Themen auf den Plan, die auch heute noch relevant sind.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2004

Im Moment der EU-Osterweiterung kommt ein Buch wie dieses gerade recht, findet der Rezensent Richard Wagner. Es befriedigt das westliche Interesse an der Geschichte der neuen EU-Länder und informiert über die Anfänge der Modernisierung, in diesem Falle in Ungarn. Die Figur, die sich Andreas Oplatka, der ehemalige NZZ-Korrespondent in Ungarn, ausgesucht hat, ist, so Wagner, gut gewählt. Graf Stephan Szechenyi (1791-1860) war ein Adliger, der für bürgerliche Reformen eintrat und - anders als sein revolutionärer Kontrahent Lajos Kossuth - zwischen den Kräften zu vermitteln suchte. Seine der Aufklärung wie der Romantik verbundenen Projekte erscheinen dem Rezensenten heute aktuell wie seit Jahrzehnten nicht mehr, ebenso sein gemäßigter Nationalismus. Die Biografie stellt neben dem öffentlichen auch den privaten Menschen vor, der unter Depressionen litt und sich zuletzt wohl - Verschwörungstheorien kreisen bis heute um den Fall - das Leben nahm. Zwar findet Wagner das Buch manchmal "in gewagter Weise detailreich" - anstrengend aber werde es dank der "flüssigen Erzählform" und der "Übersichtlichkeit der Thesen" kaum einmal.
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