Barbara Stollberg-Rilinger

Maria Theresia

Die Kaiserin in ihrer Zeit
Cover: Maria Theresia
C. H. Beck Verlag, München 2017
ISBN 9783406697487
Gebunden, 1083 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Eine "Weiberherrschaft" war im 18. Jahrhundert an sich nicht ungewöhnlich - ungewöhnlich aber war, dass Kaiserin Maria Theresia das Geschäft des Regierens als ihre persönliche Aufgabe derart ernst nahm und mit äußerster Akribie betrieb. Damit unterschied sie sich von vielen europäischen Monarchen, die lieber ihren Neigungen nachgingen und die Amtsgeschäfte gern anderen überließen. Barbara Stollberg-Rilinger lässt in ihrer Darstellung die Verhältnisse am Habsburger Hof, in der Stadt Wien, im Heiligen Römischen Reich und in den vielen Ländern lebendig werden, aus denen sich die Monarchie zusammensetzte. Ihre Haupt- und Staatsaktionen wie der Erbfolgekrieg (1740 - 1748) oder der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) gegen ihren Erzfeind Friedrich den Großen von Preußen werden ebenso anschaulich beschrieben wie das Verhältnis zu Ehe, Sexualität und Schwangerschaft, die Erziehung ihrer vielen Kinder, die Divertissements bei Hofe, die erbitterten Konflikte mit dem Sohn und Mitregenten Joseph II. und nicht zuletzt die unbarmherzige Religionspolitik der kompromisslos katholischen Kaiserin, die am Ende wie aus der Zeit gefallen schien.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2017

Rezensentin Ulinka Rublack hat mit den neuen Büchern von Elisabeth Badinter und Barbara Stollberg-Rilinger gleich zwei brillante Maria-Theresia-Biografien gelesen. Die gängigen Klischees über die füllige Kaiserin, die nicht nur ihre Kinder systematisch kontrollierte und gegeneinander ausspielte, ordnet die Historikerin Stollberg-Rilinger "quellenkritisch" und präzise ein, lobt die Kritikerin. Großartig auch, wie die Autorin Schönheit, Altersschwermut und Verfall der Regentin als Topoi vorführt, die in Texten eine Funktion übernehmen und als "Effekte der Strukturkonflikte" einer sich verändernden Welt verstanden werden müssen, meint die Rezensentin, die beide Biografien nachdrücklich empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Wie die Münsteraner Historikerin mit ihrer auf die Bedeutung von Macht- und Standessymbolen abhebenden Arbeit das Leben und Wirken der Herrscherin und allgemein das Leben am Wiener Hof im 18. Jahrhundert erfasst, findet Rezensent Rudolf Neumaier bemerkenswert. Er lernt die Monarchin privat und im politischen Alltag kennen, erfährt, wie schwer sie sich mit der Aufklärung tat, welche überraschenden Entscheidungen sie im Staatswesen traf und was diese an Stimmungen in der Gesellschaft auslösten. Dass die Autorin sich bei all dem mit vorschnellen Urteilen zurückhält, rechnet Neumaier ihr hoch an.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017

Rezensent Patrick Bahners hält Barbara Stollberg-Rilingers strukturgeschichtliche Biografie über Maria Theresia für gelungen. Dass die Autorin die Herrscherin nicht einfach vor dem Hintergrund ihrer Epoche zeigt, sondern eingebettet in Epoche, Theater, Repräsentation, Zeremoniell, passt dem Rezensenten. Den von der Autorin laut Bahners mit initiierten Perspektivwechsel in der Geschichtswissenschaft hin zu einer Logik der Repäsentation als Erklärungsmodell exemplifiziert Stollberg-Rilinger hier gekonnt und erfolgreich, meint er. Der Verzicht auf psychologische Einfühlung und die Erläuterung von Maria Theresias Politik mit weiblichen Reflexen führt laut Rezensent zu einer elegant strukturierten, pointierten und erkenntnisreichen Arbeit.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2017

"Meisterwerk!" jauchzt Rezensent Norbert Mappes-Niediek über diese mehr als tausend Seiten umfassende Maria-Theresia-Biografie. Nie ermüdend oder effekthascherisch, dafür schwungvoll, kenntnisreich und sprachlich brillant zeichnet ihm die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger nicht nur ein umfassendes Porträt der Habsburger Monarchin, sondern erzählt zugleich die Geschichte des 18. Jahrhunderts, schwärmt der Kritiker. Er erfährt hier etwa, dass Maria Theresia keineswegs dem Bild der warmherzigen Familienmutter entsprach, sondern ihre Kinder unter Druck setzte, manipulierte und moralisch erpresste, um sie ganz in den Dienst der Dynastie zu stellen. Dass die Autorin mit Blick auf Maria Theresias Regentschaft und Ehe auf psychologisierende und feministische Deutungsansätze verzichtet, dafür das höfische Reglement beleuchtet, findet der Rezensent überzeugend. Nicht zuletzt lobt er die farbige Gestaltung des reichhaltigen Figurenensembles.