György Dalos

Der Fall des Ökonomen

Roman
Cover: Der Fall des Ökonomen
Rotbuch Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783867891530
Gebunden, 192 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Deutsche Bearbeitung von Elsbeth Zylla. Budapest, im Jahr 2000: Für Gábor Kolozs stellt sich die Existenzfrage. Dabei hatte alles so hoffnungsfroh begonnen, damals, Anfang der 60er als Wirtschaftsstipendiat in Moskau. Doch die Arbeit an einer ungarischen Reform 1968 bringt nicht die ersehnte Befreiung vom Elternhaus, eine stürmische Ehe scheitert, schließlich wird Kolozs als Dissident diffamiert. 1989 beschert ihm die Wende zumindest beruflichen Erfolg, der aber wieder nicht von Dauer ist. Jetzt, am Grab jenes Holocaust-Überlebenden, der sein Vater war, kalkuliert der mittellose Ökonom: Um sich zu finanzieren, muss er den Tod des Vaters verschweigen - und an seiner statt die monatliche Wiedergutmachung einstreichen. Der Schwindel droht aufzufliegen, als die Presse den 100. Geburtstag des "letzten Überlebenden" am 23. Dezember 2006 feiern möchte …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2012

Da geht noch was, meint Stefanie Peter. Auch wenn György Dalos demnächst 70 wird, gibt sie die Hoffnung nicht auf, der Autor könne noch einmal etwas Überraschendes zu Papier bringen, etwas anderes als den nun vorliegenden Roman, den Peter unter schematischer Dissidentenerinnerung verbucht. Natürlich ähnelt die Hauptfigur im Roman dem Autor, erklärt Peter gelangweilt, natürlich schließt er sich der ungarischen Dissidentenbewegung an, und natürlich erfährt der Leser haarklein über das Leben eines Intellektuellen in Ungarn zwischen 1950 und heute. Die vielen Fakten und Thesen jedoch hätte Dalos sich gerne sparen können, wenn es nach Peter ginge. Lieber wäre ihr gewesen, der Autor hätte das Innenleben seines Helden ein bisschen mehr erhellt, seine Motivation. So aber gerinnt der Text für die Rezensentin zu einem schwerfälligen Sachbuch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2012

Rezensent Andreas Breitenstein hat der jüngste Roman von György Dalos, den er als "Abgesang" auf die eigene Generation des Autors gelesen hat, gut gefallen, wenn er ihn auch nicht durchweg psychologisch plausibel findet. Der ungarische Autor beschreibt darin mit ironischen Untertönen das Schicksal des Ökonomen Gabor Kolozs, dessen Reformbemühungen mit der Wende genauso wie seine Ehe scheitern und der sich am Ende durch Erschwindeln der Wiedergutmachungsgelder für seinen verstorbenen Vater, einem Holocaust-Überlebenden, durchs Leben zu schlagen sucht, erfahren wir. Insbesondere die Passagen über die Enge des Lebens im Sozialismus, wo die Wohnungsnot die sozialen und vor allem sexuellen Beziehungen determinierte, bewundert der Rezensent als die überzeugendsten des Romans. Den Absturz des Protagonisten vom "Politkarrieristen" zum völlig verarmten Außenseiter dagegen findet er psychologisch nicht recht überzeugend. Trotzdem, insgesamt hat Breitenstein dieser Roman gefallen, nicht zuletzt, weil er bei aller Leichtigkeit Gabors "stille Dramen" eindrücklich vor Augen führe.
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