Johannes Sachslehner berichtet von Ereignissen, die den Lauf der österreichischen Geschichte maßgeblich beeinflussten, die zum Mythos kristallisierten und bis heute das Gedächtnis der "Nation" bestimmen. Erstmals entsteht so eine bunte Landkarte österreichischer Erinnerungen, ein packendes Kaleidoskop rot-weiß-roter Meilensteine, ein ebenso unterhaltsames wie informatives Lesebuch, in dem die versunkene "Welt von Gestern" neues Leben gewinnt und zum Spiegel für das Heute wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2010
Karl-Markus Gauß zeigt sich insgesamt ganz einverstanden mit Johannes Sachslehners Auswahl der "Schicksalsorte Österreichs", mit der der Historiker und Verleger in Anlehnung an Maurice Halbwachs' Konzept des "kollektiven Gedächtnisses" an identitätsstiftende historische Orte erinnert. Der Autor beginnt mit Dürnstein in der Wachau, wo der Markgraf Leopold von Babenberg einst den vom Kreuzzug heimkehrenden König Richard Löwenherz gefangen nahm, lässt der Rezensent wissen. Hier schon zeigt sich Gauß das Fragwürdige an der Annahme eines kollektiven Gedächtnisses. Denn während bis vor kurzem die Kinder in der Schule noch lernten, dass die österreichische Flagge ihre Farben vom blutgetränkten Waffenrock des siegreichen Löwenherz habe, betont der Autor, dass die Entführung Löwenherz' den Ausbau der Stadt Wien und die Befestigung des Territoriums, das heute zum Kerngebiet Österreichs gehört, zur Folge hatte. Weiter würde Sachslehner seinen Landsleuten gern den "Kreuzstadl Rechnitz" ins kollektive Gedächtnis schreiben, an dem 1945 in "Champagnerlaune" 220 Juden erschossen wurden; kaum einer der damaligen Täter wurde zur Verantwortung gezogen.
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