Mit zahlreichen schwarz-weiß Abbildungen. Aus dem Französischen von Marie-Therese Pitner und Daniela Homan. Der Historiker Jean-Paul Bled hat eine fesselnde und einfühlsame Biografie des Kronprinzen geschrieben. Rudolfs schillernde Persönlichkeit, sein tragisches Schicksal und sein Tod haben den ausgefallensten Gerüchten und Legendenbildungen Nahrung gegeben und bis heute nichts an Faszinationskraft verloren. Für Liberalismus und Demokratie, für die Rechte der Minderheiten in der Donaumonarchie und gegen Nationalismus und Antisemitismus: Mit diesen Überzeugungen stand Rudolf im Gegensatz zu den herrschenden Strömungen seiner Zeit, zu seiner unmittelbaren Umwelt und in gewissem Sinn auch zu sich selbst als Erbe des Reiches. Die Versuche des Hofes, auf ihn Einfluss auszuüben, trieben ihn weiter in innere und äußere Isolation, der er auch durch ein ausschweifendes Leben nur vorübergehend entrinnen konnte. Seine Sensibilität, seine hohe Bildung und Intelligenz erzeugten in ihm das Bewusstsein eines persönlichen Scheiterns, und das Drama von Mayerling war das letzte Kapitel eines physischen und psychischen Zusammenbruchs, dessen Wurzeln bis in die traumatische Kindheit Rudolfs zurückreichten. Stationen waren dabei das Scheitern seiner Ehe, Krankheit und eine lange Reihe politischer Misserfolge gewesen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2006
Gelungen findet Michael Jeismann diese Biografie über den Habsburger Kronprinzen Rudolf II., die der französische Historiker Jean-Paul Bled vorgelegt hat. Wohltuend unterscheidet sich diese Arbeit für ihn von der ARD-Fernsehschmonzette über den vielseitig begabten, aber zunehmend am Hofe vereinsamenden Thronfolger, der sich und seiner Geliebten am Ende eine Kugel in den Kopf jagte. Jeismann bescheinigt dem Autor, die Ambitionen Rudolf aus seiner Zeit heraus verständlich zu machen. Dabei hat er eine Menge gelernt über Rudolfs politische Gegnerschaft zu Kaiser Wilhelm II., seine kritische Haltung gegenüber der Innenpolitik des Grafen Taaffe sowie die Gründe für den Rückzug in einen "Kokon hypothetischer Herrschaft".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2006
Die eigene Basis früherer Froschungsergebnisse lässt der Band glücklich hinter sich und erfreut damit den Rezensenten. Hans Pleschinski lobt den "trockenen Ton" dieser Rudolf-Biografie, auf alles wienerisch Schwelgende kann er nämlich gern verzichten. Lieber sind ihm die von Jean-Paul Bled vorgeführte Tugenden der Behutsamkeit, Distanz und Präzision, gelingt es ihnen auch nicht, wie er einräumt, das Drama von Mayerling ganz zu klären. Immerhin zeitigen sie die These von einer durchaus nicht maroden Donaumonarchie. Pleschinski erscheint dies "bemerkenswert".
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