Miklos Banffy

Die Schrift in Flammen

Roman
Cover: Die Schrift in Flammen
Zsolnay Verlag, Wien 2012
ISBN 9783552055599
Gebunden, 800 Seiten, 27,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka. Luxuriöse Bälle und große Jagden auf prächtigen Landschlössern, Affären in Budapester Palais, Duelle im Morgengrauen, Intrigen im Parlament: sie bilden den Hintergrund dieses Romans, der die untergehende Welt zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Sicht der beiden jungen Grafen Balint Abady und Laszlo Gyeroffy schildert. Das Buch erzählt vom Versagen der herrschenden Schichten und entwirft ein Gesellschaftsbild vom Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie. Dieser erste Band der "Siebenbürgischen Trilogie" wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn publiziert, kürzlich wiederentdeckt und erscheint jetzt erstmals auf Deutsch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.08.2012

Der Schriftsteller und Historiker György Dalos begrüßt es sehr, dass Miklos Banffys Roman, ein "Schwanengesang" auf den untergehende Adel in Siebenbürgen vor dem Ersten Weltkrieg, nun, nachdem er zu Lebzeiten des Autors in Ungarn gefeiert war, auch in deutscher Übersetzung vorliegt. In der heruntergewirtschafteten Provinz zerstreut sich die Oberschicht mit Pomp, Eleganz und Verschwendung, während um sie herum Elend, korrupte Politik und willkürliche Gewalt herrschen, umreißt der Rezensent. Er weist darauf hin, dass Banffy, selbst dem Adel entstammend, in seinem Roman auf autobiografisches Material zurückgreift und es gefällt ihm besonders, wie der betont elegante und glamouröse Lebensstil des untergehenden Adels sich in der Erzählweise des Autors spiegelt. Hier fühlt sich Dalos an die Üppigkeit von Lampedusas "Il Gattopardo" erinnert, auch wenn er Banffy einen viel schonungsloseren Blick attestiert. Die Übersetzung hat dem Rezensenten übrigens auch ausnehmend gut gefallen, denn sie gibt in seinen Augen die "antiquierte, anspielungsreiche" Sprache der Oberschicht der Zeit sehr gelungen wieder.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2012

Ulrich Baron schaut ein wenig wehmütig zu, wie der Autor in seinem Roman den Adel Siebenbürgens in die Geschichte verabschiedet. Vorher jedoch gewährt ihm Miklos Banffy noch eine der schönsten literarischen Natur- und Sommerbeschreibungen, Adelsbälle und Pferderennen und langsam verarmende Gräfinnen. Baron gefällt das offenbar gut. Zumal er weiß, dass der Autor, Spross ungarischer Großgrundbesitzer, Politiker, Schriftsteller, alles selbst erlebt hat, auch jene Wucherer, Salonpolitisierer, giftigen Tanten, Mörder und Verräter, die seinen Text reich bevölkern. Ein "Vom Winde verweht" aus dem Königreich Ungarn, dessen Schwülstigkeit und epigonale Färbung der Rezensent großzügig als Methode erkennt, die Menetekel des Untergangs wirkungsvoll in Szene zu setzen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2012

Versunken ist Rezensent Mathias Schnitzler in diesen Jahrhundertroman, der im kommunistischen Ungarn verboten war, 1989 wiederaufgelegt wurde und nun dank der Übersetzung Andreas Oplatkas auch auf Deutsch vorliegt. Miklos Banffy, Aristokrat, Theaterintendant und Außenminister setzte in seiner Trilogie dem Siebenbürgener Adel ein so "ambitioniertes wie bezauberndes" Denkmal, versichert der Rezensent. Banffy erzählt darin von zwei jungen Adligen, dem liberalen Großgrundesitzer Balint Abady und seinem Cousin, dem Komponisten Laszlo, die sich bei in ihren Leidenschaften für Frauen und das Spiel verstricken, erklärt Schnitzler. Außerdem komme den schillernden Oberleutnant Baron Egon von Wickwitz eine zentrale Rolle zu. Für Schnitzler beschwört Banffy mit diesem melancholischen Roman die Welt der ungarischen Aristokratie noch einmal ebenso grandios wie er schonungslos ihren Untergang konstatiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2012

Nichts für Liebhaber der leichten Muse hat Hannelore Schlaffer anzupreisen. Was dieser neu übersetzte erste Band von Miklos Banffys erstmals 1934 bis 1940 erschienener Trilogie über das Schicksal Siebenbürgens und dasjenige zweier Liebender zu bieten hat, erhält sie nicht ohne Mühe. Bevor sie zu einer der schönsten Schlussszenen der Romanliteratur gelangt, muss sie zunächst etwas Nachhilfe in der Geschichte Ungarns nehmen. Denn der Autor schreibt historisch wie Tolstoi, nur viel detaillierter, im Stil einer politischen Chronik fast, sodass Schlaffer alle Mühe hat, sich in das Geschehen einzufühlen. Wen die Habsburger also kalt lassen, warnt sie, sollte das Buch vielleicht lieber verschenken. Andererseits bilde der Autor mit dem Verzicht des Privaten zugunsten des Politischen und Gesellschaftlichen die Realität der Donaumonarchie ganz gut ab. Das gilt ebenso für das altmodische Vokabular, für dessen gelungene Übertragung ins Deutsche Schlaffer dem Übersetzer Andreas Oplatka ausdrücklich Dank spendet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012

Aufgemerkt, ruft uns ein jubelnder Wolfgang Schneider zu, es gilt einen großen Klassiker der ungarischen Literatur, mithin den "Tolstoi von Transsylvanien" zu entdecken! Mit all ihren Schilderungen von Bällen, Intrigen und Duellen sei diese ursprünglich kurz vor dem 2. Weltkrieg in drei Bänden erschienene, "heute ziemlich exotisch anmutende" Rückschau auf die ungarische Aristokratie kurz vor dem Ersten Weltkrieg, die auch den familienbiografischen Hintergrund von Miklós Bánffy bildet, lebensprall geraten, schwärmt der Rezensent. Zur Beschreibung dieses "Gesellschaftspanoramas" zieht dieser nur die größten Namen - Roth, Tolstoi, Proust - heran und fühlt sich noch bei den "Edelkitsch"-Passagen, denen er aber mit Wonne erliegt, immerhin noch an "Vom Winde verweht" erinnert. Auch ansonsten Lob in höchsten Tönen: Mit grandiosen Casinoszenen, schönen Naturbeschreibungen, begnadeten Charakterzeichnungen, bitteren Komödien und einer "großen Oper" locke dieses Werk, mit dessen etwas schwächeren "politischen Passagen" der Rezensent sich dann auch gut arrangieren kann.
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