Vom Nachttisch geräumt

Ehrgeiz und Geltungsbewusstsein

Von Arno Widmann
02.07.2018. Wie Jayne Mansfield weiß auch die AfD, dass es keine schlechte Presse gibt, warnt der CDU-Politiker Gert Hoffmann in seiner Autobiografie.
Gert Hoffmann, geboren 1946 in Berlin, war Kommunalpolitiker in Niedersachsen. Noch ein 68er? Naja, wie man mag. 1967 bis 1969 war er Mitglied der NPD. Also kein Links-, sondern ein Rechtsaußen der bundesrepublikanischen Politik. Kommunalpolitiker wurde er dann bei der CDU. Aber hier nur zur NPD Ende der 60er Jahre. Hoffmann hatte 1968 als Jurastudent in Göttingen die dortige Filiale des Nationaldemokratischen Hochschulbundes ins Leben gerufen. Seit seiner ersten Podiumsdiskussion im Dezember 1967 war er der Wortführer der rechten Studenten an der linken Universität Göttingen. Hoffmann beschreibt, wie die SDS-Genossen ihn stets korrekt behandelt, ihm sogar geholfen hatten, einen Raum für den NHB zu organisieren. Als er in das Göttinger Studentenparlament gewählt wurde, war er der erste und einzige Nationaldemokrat in einem Organ der studentischen Selbstverwaltung. Hoffmann meint, die damalige politische Debatte in Deutschland sei einerseits von der Studentenrevolte, andererseits von den Wahlerfolgen der NPD bestimmt worden. So stand er mitten drin.

Hoffmann schreibt: "Für damals wie heute galt und gilt: Je mehr Aufmerksamkeit Öffentlichkeit und Medien einer Splittergruppe schenken, desto mehr Auftrieb verschafft ihr das. Ist doch oft - wie auch sonst in der Politik - Ehrgeiz und Geltungsbewusstsein ein wichtiger Antrieb und nichts demotivierender, als wenn man gar nicht wahrgenommen wird. Auch die NPD wurde erst durch die Medien großgemacht."

Über den NPD-Erfolg - 9,8 Prozent - bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 28. April 1968 schreibt Hoffmann: "Über Nacht waren die Berichte über Dutschke (der war am 11. April niedergeschossen worden) und die APO von denen über Thadden und die NPD überlagert. Die gesamte internationale Presse konzentrierte sich auf das Ereignis und die Folgen, und das schmeichelte wiederum jedem NPD-Anhänger und motivierte ihn."

Wer sich daran erinnert, wie er nach der Demo sorgsam darauf achtete, dass er um 20 Uhr vor einem Fernseher saß, um zu sehen, wie die eigenen Taten eingeschlagen hatten, der wird davon ausgehen, dass zum Beispiel die Anhänger der AfD sich über jede Erwähnung ihrer Aktivitäten freuen. Schon Jayne Mansfield hatte verstanden, dass es nicht darauf ankam, ob die Presse gut oder schlecht über sie schrieb, das Genre der Filmkritik gar erreichte den Sexstar überhaupt nicht. Sie wusste: "Hauptsache, die Leute merken sich meinen Namen".

Gert Hoffmann: Von Irrwegen in die Verantwortung - Zeitzeuge und Gestalter in bewegten Zeiten, Klartext Verlag, 488 Seiten, Fotos, 29,95 Euro