Magazinrundschau - Archiv

Il Post

3 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 05.05.2020 - Il Post

Das Team von Ilpost.it bringt eine fantastische und geduldige Recherche zur Frage, wie ausgerechnet die technisch und administrativ so moderne Lombardei zum Epizentrum der Coronakrise in Italien werden konnte: Die Hälfte der Toten sind in dieser Region zu beklagen. Die von ferne häufig gestellte Diagnose, dass die Privatisierung schuld sei, reicht nicht ganz aus, es handelt sich um ein ganzes Bündel von Faktoren. Aber ja, der charismatische von 1995 bis 2013 regierende Präsident der Region Roberto Formigoni von Berlusconis Forza Italia war ein Fürsprecher der Privatisierung - allerdings in unguter Promiskuität von Staat, Unternehmern - und wie die Reporter nur andeuten - katholischen Einflusskreisen. Das Gesundheitssystem obliegt in Italien den Regionen. Formigoni reformierte das System so, dass es zur Hälfte privat, zur Hälfte staatlich ist. Nur bekamen die privaten Kliniken die prestigeträchtige Apparatemedizin und die überforderte staatliche Hälfte die Alltags- und Notfallmedizin. Aber als ein bedeutender Faktor kam auch unterschiedliche Kompetenz in den Regionen hinzu: "In der Lombardei leben mehr als doppelt so viele Menschen wie in der Region Venetien, es gibt viermal so viele bestätigte Infektionen (und das, obwohl fast nur Menschen mit Vorerkrankungen getestet wurden) und genau zehnmal so viele Todesfälle. Dennoch wurden im April in der Lombardei im Durchschnitt etwa 8.520 Tests pro Tag verarbeitet, im Veneto etwa 7.880. Diese Einschränkungen in der Kapazität, Patienten zu testen und einer Ansteckung auf die Spur zu kommen, erwiesen sich als besonders problematisch." Dennoch weigern sich die Reporter am Ende ihres Artikels sehr fair, eine eindeutige Schuldzuweisung zu treffen - es handle sich auch um eine unglückliche Verkettung, die diese Region besonders früh und hart getroffen hat. Bei einem schlechteren Gesundheitswesen hätte es noch wesentlich mehr Tote gegeben, so die Autoren.
Stichwörter: Lombardei, Italien, Coronakrise

Magazinrundschau vom 10.01.2017 - Il Post

In Italien gibt es eine Art Comeback des Heroins, schreibt Ludovica Lugli in il post.it. Und dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist der Preis für Heroin fast auf das Niveau von Marihuana gesunken. Früher hätte das Gehalt eines Arbeiters für sechs oder sieben Gramm gereicht, heute reicht es für vierzig Gramm. Und das Heroin wird in Mikrodosen verkauft, die bereits für 2 bis 5 Euro zu haben sind. Darum sinkt auch das Alter der Abhängigen: "Vor Mailand wurde Heroin schon in Perugia und Bologna in kleinen Dosen verkauft. Es scheint sich um eine Art Promotion-Kampagne für Heroin zu handeln, um die Zahl der Konsumenten zu erhöhen. Für jeden Drogenhändler ist Heroin eine gute Investition, denn diese Substanz erzeugt in sehr kurzer Zeit Abhängigkeit nach immer größeren Dosen. Wer damit anfängt, wird schnell zum treuen Kunden."

Magazinrundschau vom 25.09.2012 - Il Post

In Frankreich hat sich durch die Schwäche der Printpresse mit Blogs wie rue89, slate.fr und anderen eine relativ lebendige Internetszene entwickelt. Was Riccardo Luna dagegen im italienischen Internetmagazin Il Post über Italien schreibt, klingt eher nach Deutschland. Luna hofft, dass die Ankunft der Huffington Post in Italien die Online-Szene verändern wird. Denn bislang ist die Lage so: "In den letzten fünfzehn Jahren hat das Printverlagswesen das Netz zunächst ignoriert, dann unterschätzt, um schließlich zu versuchen es auszubeuten, ohne seinen tieferen Sinn - etwa dass es sich um eine Struktur von Links handelt - zu verstehen. Statt dessen hat man es auf eine Maschine zur Erzeugung von Pageviews reduziert. Dieses - um es vorsichtig auszudrücken - kurzsichtige Verhalten hat sich auch darin ausgedrückt, dass an die Spitze der Onlineableger von Zeitungen nie wirkliche Leitungsfiguren gestellt wurden. Die wirklichen Direktoren haben sich weiter um Print gekümmert, und an die Spitze der Websites wurden Kollegen mit großem Organisationstalent und einem klaren Auftrag gesetzt: möglichst viele Klicks erzielen, ohne das Printprodukt zu behindern."