Magazinrundschau - Archiv

Denik Alarm

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 13.05.2025 - Denik Alarm

Anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs sucht das Magazin *Alarm nach einer eigenen tschechischen Erzählung zum Kriegsende: "Während sich die offizielle Erinnerungspolitik während des kommunistischen Regimes nur auf die Befreiung der Tschechoslowakei durch die Sowjetunion konzentrierte, sind wir seit den 1990er Jahren ins andere Extrem verfallen und suchen in der Vergangenheit nach dem kleinsten Hinweis auf westlichen Widerstand, wobei wir die Erinnerung an die Rote Armee oder den Partisanenwiderstand, der mit der sowjetischen Militärführung verbunden war, ignorieren oder verdrängen. Damit haben wir die Chance verpasst, unsere eigene Geschichte über das Ende des Zweiten Weltkriegs zu schreiben, die die beiden jeweils einseitigen Interpretationen der Vergangenheit ausbalanciert. Russlands Invasion in die Ukraine macht eine neue Öffnung dieser Debatte unmöglich, und so fahren wir fort mit der ideologischen Rahmung des Zweiten Weltkriegs als antikommunistischer Geschichte, in der die Befreiung durch die Rote Armee zunehmend als Besetzung bezeichnet wird." Die Journalisten erinnern zudem an die Gewalt, von der auch das Kriegsende noch geprägt war: "Während ihres Rückzugs setzten die Nationalsozialisten, um ihre letzten Rechnungen zu begleichen, Einheiten zur Partisanenbekämpfung ein, die besonders in der Mährischen Walachei ganze Dörfer niederbrannten. Wir müssen aber auch über die tschechische Gewalt an Deutschen sprechen. Zwar erinnern wir uns an einige Vorfälle, bei denen Deutsche ermordet wurden, aber das Ausmaß der Gewalt gegen Deutsche war weitaus größer. Deutsche Männer und Frauen wurden gefoltert, bei lebendigem Leibe verbrannt, in Flüssen ertränkt oder vergewaltigt, und dies alles mit Unterstützung staatlicher Institutionen." (Das Magazin vertieft das Thema noch in einem Podcast-Gespräch mit dem Historiker Jaromír Mrňka.)

Magazinrundschau vom 13.08.2024 - Denik Alarm

Unter Kulturministerin Martina Šimkovičová schreiten die "Säuberungen" in wichtigen slowakischen Kulturinstitutionen weiter fort, wie Karel Veselý berichtet. "In den letzten Tagen kommen aus Bratislava eine Schreckensmeldung nach der anderen. Das Kulturministerium bleibt auch über den Sommer hinweg nicht müßig und beruft gnadenlos die Leiter künstlerischer und kultureller Einrichtungen ab. Innerhalb weniger Tage mussten Matej Drlička, der Direktor des Slowakischen Nationaltheaters, sowie die Leiterin der Slowakischen Nationalgalerie Alexandra Kusá ihren Hut nehmen. Damit ist das Massaker noch nicht zu Ende - die Ministerin verkündet, alle Leute in der Kultur würden entlassen, die nicht 'kompatibel damit sind, wie sich die slowakische Kultur in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll'." Šimkovičová & Co. haben es sich zur Aufgabe gemacht, eine eigene Kulturfront aufzumachen, die aus Gruppen einzelner Loyaler bestehen soll, die sich an die nationalistische Linie halten, so Veselý. "Die Inspiration durch die Orbán-Regierung ist unverkennbar. Das Einzige, was überrascht, ist die Schnelligkeit, mit der Šimkovičová unter Ficos Ägide die slowakische Kultur umwälzt." Wenn der dienstleitende Ministerialbeamte Lukáš Machala von den Intellektuellenzirkeln aus Bratislava spricht, deren "Macht- und Interessenstrukturen" zersprengt werden sollen, fühlt sich Veselý an die Rhetorik der kommunistischen Normalisierung erinnert, "wo es ebenfalls von zahlreichen 'Verrätern' wimmelte, die sich Abend für Abend Ausschweifungen hingaben, während das restliche Volk redlich in die Fabrik ging". Und die Art, wie so manche Kunst als "degeneriert" bezeichnet wird, weckt in Veselý ungute Erinnerungen an den deutschen Nationalsozialismus. Dabei beweise das Interesse, das autoritäre Politiker an der Kultur hätten, in Wahrheit ihre Bedeutung, meint der Kritiker: "Die Kunst hat keine Scheu, einem Regime, das die demokratischen Prinzipien verlässt und nach der unbegrenzten Macht greift, den kritischen Spiegel vorzuhalten. Deshalb ist die Kultur so gefährlich, und deshalb gilt es, sie unter Kontrolle zu bringen." Tatsächlich gebe es in der Öffentlichkeit zahlreiche Demonstrationen und Petitionen gegen das staatliche Vorgehen. Die erste (wirkungslose) Petition zur Abberufung der Ministerin, die Anfang des Jahres sofort 188.000 Unterschriften erhielt, habe nun ein Nachspiel: "Die Künstlerin Ilona Németh, die sie initiiert hatte und eines der Gesichter des damaligen Protests war, wurde im Juli zur Polizei vorgeladen, die einer Strafanzeige des Ministeriums gegen die Organisatoren der Petition nachgeht." Nichtsdestotrotz ist gerade eine neue Petition gegen die "inkompetente und kulturlose" Ministerin und "die Zerstörung des öffentlichen Raumes" im Gange, deren Autoren unter anderem der Schriftsteller Michal Hvorecký und die Schauspielerin Zuzana Fialová sind.