Magazinrundschau - Archiv

The Abrahamic Metacritique - Substack, Hussein Aboubakr Mansour

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 05.05.2026 - The Abrahamic Metacritique - Substack, Hussein Aboubakr Mansour

Der ägyptisch-amerikanische Essayist Hussein Aboubakr Mansour wirft nicht nur häufig sehr instruktive Blicke auf die Geschichte der Intellektuellen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens (unsere Resümees), er beobachtet auch die amerikanische Politik. In seinem Substack-Blog reflektiert er eine Frage, die demokratische Parteien schon vor hundert Jahren umtrieb: die jüdische Frage, die heute so zu formulieren wäre: Wie stehen wir zu Israel? Mansour eröffnet seinen Essay mit einer klaren Aussage: "Die Führung der Demokratischen Partei hat beschlossen, Israel ihrer Linken zum Fraß vorzuwerfen." So gut wie alle gemäßigten Führer der Demokratischen Partei haben sich in den letzten Monaten von Israel distanziert, so Mansour. Und dazu gehören Ikonen wie Barack Obama, der nie ein besonderer Freund Israels war und sich neulich ostentativ an der Seite Zohran Mamdanis und Kindern in Kopftuch zeigte. Die Mitte der Partei mag das für eine Konzession an ein moralisches Aufbegehren ihrer Linken halten, so Mansour. Aber es sei ein Irrtum zu denken, dass Antizionismus eine verhandelbare Position sei, "eine politische Präferenz oder ein einzelner Punkt auf einer Liste von Forderungen, der im Austausch für ein Stillhalten bei anderen Punkten zugestanden werden könne. Nein, nein, nein. Das ist ein schwerer Kategorienfehler. Antizionismus ist keine Position. Er ist eine Weltanschauung, und eine Weltanschauung funktioniert nicht so wie einzelne politische Präferenzen. Mit einer politischen Präferenz lässt sich verhandeln: Du gibst mir dies, ich gebe dir das, und wir gehen beide zufrieden nach Hause. Eine Weltanschauung dagegen ist die Struktur, aus der alle Positionen hervorgehen, die Logik, die bestimmt, welche Sätze ausgesprochen werden können und welche nicht, und wenn man die Weltanschauung aufgibt, hat man keinen Frieden in den anderen Fragen erkauft. Man hat genau jene Logik aufgegeben, nach der alle anderen Fragen entschieden werden."

Magazinrundschau vom 18.11.2025 - The Abrahamic Metacritique - Substack, Hussein Aboubakr Mansour

"Nazi", "Völkermord", "Siedlerkolonialismus". Die Begriffe sind zwar entleert, treffen auf die so bezeichneten Umstände längst nicht zu wie einst auf die historischen Ereignisse, die sie prägten. Aber die moralische Wucht, die sie ausstrahlen, ist auf jene übergegangen, die sie heute gebrauchen, um sich selbst eine moralische Lizenz zu erteilen. Wir leben in einer Epoche des moralischen Sadismus. Wer ein Nazi ist, der verdient alle Grausamkeiten. Pardon zu geben, wäre eine moralische Verirrung: So funktioniert laut dem Ideenhistoriker Hussein Aboubakr Mansour das Muster des Postkolonialismus - Mansour spricht in seinem Substack-Blog The Abrahamic Metacritique von "Fanonischer Rache" -, aber es lässt sich ebenso sehr auf den Islamismus oder die Maga-Rechte übertragen. Diese Muster der absoluten moralischen Lizenz entdeckt Mansour geradezu paradigmatisch in den Filmen Quentin Tarantinos: Zwar gab es auch in klassischen Tragödien Rechtfertigungen für grausame Strafe, aber meist wurden jene, die Rache übten, ihrer selbst nicht froh. "Die Befriedigung wurde durch die Konsequenzen getrübt. Tarantinos Filme beseitigen diese Komplikation." Es "erotisiert die Rache", so Mansour, "und erlaubt es dem Publikum, sich an pornografischer Gewalt zu ergötzen. Seine Filme bieten das ästhetische Regime für eine neue Art von Vergnügen: den langsamen, qualvollen Tod des Nazis, die langwierige Folter des Sklaventreibers, die kreative Brutalität gegenüber jenen, deren Benennung die Aufhebung aller Hemmungen rechtfertigt, ja sogar verlangt. Gewalt wird schön, sogar sexy, wenn sie mit ungezügelter Wut gegen die richtigen Ziele gerichtet ist. Das zugefügte Leiden wird für den Zuschauer zum Vergnügen. Folter verwandelt sich in Katharsis, wenn das Opfer richtig kategorisiert wird. Rache ist nicht länger die Fortsetzung des Kreislaufs des Blutes, sondern die therapeutische Vollendung, der moralische Höhepunkt, die befriedigende Auflösung, bei der du dich gut fühlst, während der Abspann über eine Leiche läuft."