Gertrud von Kunowski: Die Malschule. Credit: Bauhaus-Archiv Berlin, Gerrud von Kunowski Dank der Kuratorin Kathrin DuBoiskann Jörg Restorff (Monopol) in der Ausstellung "Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter" im Kunstpalast Düsseldorf so einige interessante Kunstwerke entdecken. Die Ausstellung lenkt den Blick auf Künstlerinnen, die zwischen 1819 und 1919 in Düsseldorf gearbeitet haben, letzteres Datum markiert die "schrittweise Öffnung der Kunsthochschule für Frauen". Hier werden anhand von 31 Künstlerinnen die zahlreichen Facetten ihres Könnens gezeigt: "Ihre Selbstporträts scheinen uns in direkte Tuchfühlung mit ihnen zu bringen. Diese Nähe über eine Distanz von mehr als 150 Jahren hinweg vermittelt am eindrücklichsten das vitale Selbstbildnis, das Mathilde Dietrichson 1865 anfertigte. Nicht von ungefähr wurde es als Cover-Motiv des Katalogs ausgewählt. Die norwegische Künstlerin, damals 28 Jahre alt, wendet den Kopf nach rechts, um uns geradewegs ins Gesicht zu blicken - so, als wolle sie Kontakt zum Betrachter aufnehmen. Sie hatte ihre Ausbildung in Düsseldorf 1857 begonnen. (…) Obwohl Mathilde Dietrichsons Bilder international präsent waren - unter anderem auf der Weltausstellung 1878 in Paris -, verblasste ihr Ruhm schon zu Lebzeiten."
Besprochen werden außerdem die Installation "Steve McQueen: Occupied City" im Rijksmuseum Amsterdam (NZZ) und Asta Grötings Ausstellung "Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve" im Frankfurter Städel (taz).
"Natur, Kultur und Imagination" vermischen sich in der Installation "Flüssige Matrix" des israelischen Architekten Yuval Baer zu einem "Rausch" aus Farben und Formen, dem sich Tagesspiegel-Kritikerin Christiane Meixner im Kunstraum "The Ballery" in Berlin kaum entziehen kann. Dass das Werk "auf den Lehren der Kabbala basiert, der mystischen Lehre des Judentums, und mit uralten Daten aus dem 'Buch der Schöpfung' operiert, mit deren Hilfe man im Idealfall zu universellen Einsichten gelangen kann, muss man Baer glauben. Ohne ein Wissen darüber lässt sich kaum etwas entziffern. Im Raum selbst legt sich die Projektion wie eine luzide Schicht zwischen die Architektur, die ihre Konturen verliert. Auch die Besucher werden Teil des Loops, in dem Blüten wachsen und verwelken, wo tiefrote Flammen tanzen und es blaue Codes vom Himmel regnet."
Weitere Artikel: Im WamS-Interview unterhält sich der Fotograf Andreas Gursky mit Boris Pofalla über seine neue Ausstellung in der White Cube Gallery in London. Anlässlich einer Ausstellung im Musée de l'Orangerie in Paris stellt Bettina Wohlfahrt in der FAZ die Galeristin Berthe Weill vor. Besprochen wird die Suzanne-Duchamp-Retrospektive in der Schirn in Frankfurt (FR, unser Resümee).
Bestellen Sie bei eichendorff21!In ihrer Zeit brachte es Marcels Schwester Suzanne Duchamp zu einigem Ruhm, schnell geriet sie aber in Vergessenheit. Nun widmet ihr die Frankfurter Schirn eine erste große Einzelausstellung und Stefan Trinks (FAZ) bemerkt, dass sich die Malerin keineswegs hinter ihrem Bruder zu verstecken braucht. Zu sehen sind frühe kubische Stadtveduten, gemalte Readymades und Schrift-Material-Collagen, die Hannah Höchs Collagen ebenbürtig sind, so Trinks: "Das äußert sich in seltener Klarheit auf der in mehrfacher Hinsicht verstörenden Collage 'Vergessene Ariette der benommenen Kapelle' von 1920. Die zwei Jahre zuvor vollzogene Metamorphose von Ballons in Vollmonde und jene der explodierenden Sterne in bunte Lichtreflexe im Bild entsprachen Duchamps großem Faible für den poetisch gestirnten Himmel über uns. Diese ausgeprägte Astrophilie kehrt in 'Ariette' wieder als dichtes Sternregen-Feuerwerk, das als Vexierbild indirekt den amorphen Körper eines Bogenschützen mit den Gesichtszügen ihres Mannes Jean inklusive eines echten Glasauges bildet. Der Pfeil der surreal quer durch das Bild gespannten Bögen peilt eine Zielscheibe an, die Crottis Hinterkopf anstelle eines Ohres bedeckt." Den Katalog zur Ausstellung haben wir bereits in unserem Bücherbrief August empfohlen.
Ernst Ludwig Kirchner, Akrobatenpaar - Plastik, 1932-1933, Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990. Foto: Jakob Jägli Obwohl nahezu gleich alt, begegneten sie einander nie - Ernst Ludwig Kirchner wünschte sich allerdings, einmal gemeinsam mit Picasso ausgestellt zu werden. Den Wunsch hat ihm das LWL-Museum in Münster nun erfüllt, und Alexander Menden (SZ) erkennt in Kirchners Werk zwar Picassos Einfluss, schlechter weg kommt der deutsche Expressionist dabei aber nicht: "Tatsächlich wirkt er in der Frühphase seines Schaffens teils sogar risikofreudiger als Picasso. Während dieser 1901 einen weiblichen liegenden Akt ganz impressionistisch und frontal malt, wagt Kirchner 1904 im gleichen Sujet eine unkonventionellere, unidealisierte Rückenansicht. Allerdings muss man dabei im Hinterkopf behalten, dass Kirchner damals noch immer Architekturstudent war und gerade erst ein Interesse für das Werk Kandinskys und die französischen Neoimpressionisten entwickelte, während Picasso bereits erste Ausstellungen in Paris gehabt hatte."
Beverly Buchanan, Three Families (A Memorial Piece with Scars) [with legend], 1989, Fotodruck auf Papier, 10×23 cm, Courtesy of the Estate of Beverly Buchanan und Andrew Edlin Gallery, New York Interessiert wandert Jens Hinrichsen für den Tagesspiegel durch die Ausstellung "Wheathering" im Haus am Waldsee in Berlin. Die afroamerikanische Künstlerin Beverly Buchanan stellt dort ihre "Shacks" aus: "Mit den Kleinskulpturen aus Karton, Holz oder Blech würdigte die Künstlerin die schlichten, selbstgebauten Häuser der armen Schwarzen Gemeinschaften im Süden. (...) 'Here I am', sagt die lebensgroße Hütte im Gartensaal. Der aus Fundhölzern gezimmerte, wie in Hast errichtete Bau wirkt realistisch, ohne es bei näherer Betrachtung zu sein. Kein erwachsener Mensch passt in die Enge. Der Platz ist so knapp bemessen, dass eine Spüle und ein Tisch mit Stuhl extern platziert sind: Die skulpturale Metapher für katastrophale Lebensverhältnisse erscheint aktuell nicht nur in Hinsicht auf die soziale Schieflage in den USA, die mit Trump nur noch weiter kippt."
Der ukrainische Fotograf Oleksandr Glyadyelov dokumentiert seit vierzig Jahren das Leben in der Ukraine, erklärt Stefan Locke in der FAZ, der sich die große Retrospektive "And I Saw" im Ukrainischen Haus in Kiew angesehen hat. Glyadyelov dokumentierte auch "mit voller Wucht die Härten, die der Zusammenbruch" der Sowjetunion mit sich brachte: "Manche seiner Protagonisten begleitet er jahrelang, etwa Oleksi, der sich vor der Kamera eine Opiumspritze in den Hals bohrt und später an Aids stirbt, oder die Kinder Dima, Slawa und Max, die sich auf einem Holzregal in einem schmutzigen Keller ihr Nachtlager gebaut haben. Dem Problem der von ihren Eltern verlassenen Kinder, das später zur Gründung der Organisation 'Save Ukraine' führte, ist in der Ausstellung ein ganzer Raum mit erschütterndsten Aufnahmen gewidmet. Sie offenbaren das Versagen einer Gesellschaft, die es gewohnt war, dass der Staat alles regelt."
Michaelina Wautier, Zwei Mädchen als Hl. Agnes und Hl. Dorothea, um 1655, Royal Museum of Fine Arts Antwerp, Collection KMSKA - Flemish Community Eine Meisterin der Barockmalerei gibt es im Wiener Kunsthistorischen Museum zu entdecken, lesen wir in der Welt von Bernhard Schulz. Michaelina Wautier heißt sie, ihr Werk zeichnet sich durch Selbstbewusstsein und eine große Spannbreite der Formen aus. Kaum zu glauben, findet Schulz, dass eine solche Größe in Vergessenheit geraten konnte. Zum Glück ändert sich das jetzt: "Mit 29 Gemälden ist der Großteil des bekannten und sicher zugeschriebenen Werkes versammelt. Erst im Jahr 2020 sind die fünf zauberhaften Allegorien der fünf Sinne hinzugekommen, nachdem sie auf einer Auktion erworben wurden. Wautier hat die Sinne fünf Jungen zugeordnet, die nun das Fühlen anhand einer schmerzlichen Verletzung des Fingers demonstrieren, den Geruchssinn anhand eines faulen Hühnereis oder das Schmecken anhand eines herzhaften Butterbrots. Fünf Gemälde, die den flämischen Realismus aufs Schönste bezeugen." Von Schulz gibt es gleich noch einen zweiten Text über die Ausstellung, auf monopol.
Eher kleinformatige Utopien präsentiert die Ausstellung "Utopia" im Wolfsburger Kunstmuseum, die schon wieder Bernhard Schulz besucht, diesmal für die FAZ. Den großen gedanklichen Würfen mit Blick auf eine bessere Zukunft der Menschheit traut man nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts womöglich aus gutem Grund nicht. Dabei haben manche Utopien der Vergangenheit durchaus etwas für sich, auch heute noch: "Die chinesische Künstlerin Cao Fei hat für ihr Video 'Whose Utopia' Arbeiterinnen und Arbeiter einer Elektrofabrik im Perlfluss-Delta gebeten, ihren persönlichen Lebenstraum vorzuführen, vor der nüchternen Wirklichkeit des Fabrikinneren, das so zur Bühne wird für singende, tanzende, befreite Menschen. Für ein Leben ohne den Zwang entfremdeter Arbeit. Denn das war doch die größte Utopie des 19. Jahrhunderts, den Menschen zu befreien von der Mühsal der - zumeist körperlichen - Arbeit."
Susanne Koeberle (NZZ) kann in der Ausstellung "Vorhang fällt Hund bellt" im Aargauer Kunsthaus nur staunen, wie es der Schweizer Künstlerin Klodin Erb gelingt, in ihren Gemälden und Stoffarbeiten mit großer Geste, aber ohne Pathos "Helles und Dunkles, Kritik und Humor" zusammenzubringen - und dabei immer wieder Konventionen zu hinterfragen: "Etwa beim Thema Geschlecht und Identität. Auch diesbezüglich startete sie ihre Auseinandersetzung bei einem Vorbild, dem Roman 'Orlando' von Virginia Woolf. Darin lebt die gleichnamige Figur über 500 Jahre und wechselt während dieser Zeitreise auch das Geschlecht. Es ist genau diese Metamorphose, die Klodin Erb daran interessiert. Zwischen 2013 und 2021 entstehen rund 200 Porträts von Menschen - darunter Freunde oder bekannte Persönlichkeiten aus Pop-Kultur oder Politik -, Tieren, Phantasiewesen oder Objekten. Die schier unendliche Variation spiegelt sich auch im Malstil: Die Figuren sind teils klassisch gemalt, teils frei in gestischen Pinselstrichen festgehalten. Die Bilder zelebrieren die Diversität unserer Daseinsformen."
"Der Menschenmaler" ist die JohannesGrützke-Ausstellung in der Kunsthalle Aschaffenburg betitelt, und wenn sich Stefan Trinks (FAZ) das "Panoptikum menschlicher Verhaltens- und Versagensweisen" ansieht, das Grützke meist mittels nackter Körper auf Leinwand bannte, findet er den Titel durchaus passend gewählt. "Die Fülle von Grützkes 'komischen Historienbildern' legt nahe, dass er sich im Kapitel 'Zwischen Göttern und Groteske: Mythos, Religion und Historie' am treffendsten aufgehoben gefühlt hätte. Etwa mit der skurrilen 'Himmelfahrt' einer Splitternackten aus dem Jahr 1981, die von kahlen und rothäutigen Pygmäen nach oben gestemmt wird, oder dem Hochformat 'Die Gesundheit' von 1991, in dem Grützke furios die von ihm verehrte naturalistische Malerei des neunzehnten Jahrhunderts aufs Korn nimmt, wenn er eine Nackte einen symbolschwangeren 'Jahrhundertschritt' über ein Wildwasser in idyllischer Bergwelt vollführen lässt."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Guðný Guðmundsdóttir: Noon" in der Schwartzschen Villa in Berlin (Tsp).
Ferdinand Hodler, Die Nacht (1889-90). Foto: Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft / Wikipedia
Maria Becker (NZZ) betrachtet in der Ausstellung "Panorama Schweiz" im Kunstmuseum Bern die Pioniere der Schweizer Landschaftsmalerei zwischen Caspar Wolf und Arnold Böcklin. Dass auch die Beziehung des Menschen zur ihn umgebenden Natur im Fokus steht, hat zur Entstehungszeit nicht allen gefallen, lernt sie: "Die Schweizer Malerei am Ende des 19. Jahrhunderts brachte einen Symbolismus hervor, der realitätsnah und traumhaft zugleich anmutet. Genau diese eigentümliche Mischung war es, die das zentrale Werk von Hodlers internationalem Durchbruch zum Skandalbild machte. In den Jahren 1889 und 1890 entstanden, feierte 'Die Nacht' in Paris einen Triumph. In Genf wurde das Werk verboten. Dabei war es selbstverständlich nicht die geläufige Allegorie von Schlaf und Tod, die bei der ersten Präsentation der 'Nacht' Befremden erregte. Es war die explizit naturalistische Darstellung der Körper, die wie auf einer Bühne lagern. Für den Betrachter gab es keine Möglichkeit, sie nicht als real - das heisst, als Menschen der Gegenwart - zu sehen."
Dass Barbara Hepworth nicht nur eine der wichtigsten abstrakten Bildhauerinnen ist, sondern sich an ihren Skulpturen auch eine tiefe Naturverbundenheit erkennen lässt, siehtMonopol-Kritikerin Luisa Maitra in der Ausstellung "Barbara Hepworth: Art & Life", die in der Fondation Maeght in Saint-Paul-de-Vence gezeigt wird. Die Natur ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, aber: "Die Wahl der Materialien behält den Bezug zur Natur allerdings bei, und auch die künstlerische Praxis passt dazu - das direct carving. Die skulpturale Form entsteht durch das beherzte Herausarbeiten aus Holz oder Stein, anstatt sie zunächst in Ton zu modellieren. Hepworth selbst ist ein lebendiger Teil des Entstehungsprozesses. Sie sagt: 'Du kannst meiner Meinung nach keine Skulptur erschaffen, ohne deinen Körper einzubeziehen. Du bewegst dich und du fühlst und du atmest und berührst.'"
Weiteres: Florian Keisinger schreibt in der taz über die Diffamierung sogenannter "Entarteter Künstler" im Nationalsozialismus.
Sarah Schumann: Collages and Paintings from 1954 to 1982, 2025. Installation view, Meyer Riegger, Berlin Obwohl die Berliner Künstlerin Sarah Schumann lange in ihrer Heimat lebte und arbeitete, sind ihre Werke dort nur selten zu sehen, auch weil sie lange verschollen waren, weiß Antonia Wolff (taz), die sich umso mehr freut, dass die Berliner Galerie Meyer Riegger nun neben den abstrakten Gemälde auch jene rund sechzig Collagen zeigt, "für die sich heute auf dem Kunstmarkt der Begriff Schockcollagen etabliert hat. Ausschnitte aus Magazinen und Zeitungen verbindet sie zu surrealen, poetisch-dissonanten Kompositionen. Die Motive entstammen dem Zeitgeschehen: Autounfälle, Trümmerlandschaften, Soldaten, Erschießungskommandos. Der Vietnamkrieg taucht auf, auch der Zweite Weltkrieg, den die Gesellschaft der Adenauer-Ära so bemüht ist zu verdrängen. Dazwischen Pin-ups, Filmstars, antike Skulpturen. Immer wieder Marilyn Monroe ... Die Gleichzeitigkeit von Krieg und Gewalt, Konsum und Oberfläche machte die Pop Art ebenso zum Thema wie politische Künstler der Fluxus-Bewegung."
Roee Rosen, Maxim Komar-Myshkin, Vladimir's Night (2013/2025). Courtesy Roee Rosen Das Anliegen des Berliner Hauses der Kulturen in der Ausstellung "Global Facisms" sich der Frage zu stellen, was überhaupt "Faschismus" heißt, findet Jonathan Guggenberger in der FAS durchaus ehrenwert - nur wollen ihm die laut Ausstellungskatalog präsentierten "vielen Beispiele kleiner, weltweit unterschiedlich auftretender Faschismen" keine endgültige Antworten geben. Kunstwerke mit Klarheit und kritischem Witz sieht er dennoch, vor allem in "Werken, die ihre antifaschistische Widerstandskraft in der Satire auf bedrohlich reale Herrscher unter Beweis stellen. Der israelische Filmemacher Roee Rosen zum Beispiel zieht Russlands Diktator Putin mit seinem komplex chiffrierten Comicstrip 'Vladimirʼs Night' in den Abgrund einer pervers überzeichneten Verschwörung. Eine Rachephantasie, bei der Putin am Ende mit dornigen Dildos ermordet wird."
Weitere Artikel: Christiane Meixner berichtet im Tagesspiegel von der 20. Contemporary Istanbul, die sich als "Bastion gegen die Diktatur" behauptet, wie sie erlebt und wie ihr Messegründer Ali Güreli gegenüber betont: "Es gibt vielerorts Probleme mit der Demokratie und den Menschenrechten … Wir alle, und gerade die Künstler, müssen ganz ruhig bleiben, intelligent - und radikal." Ebenfalls im Tagesspiegel flaniert Nicola Kuhn durch die Kulturhauptstadt Chemnitz. In der NZZ blickt Lucien Scherrer auf Meret Oppenheimers Jahre im Tessiner Dorf Carona, wo sie auch Hermann Hesse kennenlernte, der eine dreijährige Ehe mit Oppenheimers Tante Ruth führte.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "An Opera Out of Time" mit Werken des kosovarischen Künstlers Petrit Halilaj im Hamburger Bahnhof (FAS), eine Ausstellung mit Werken der Stifterin in der Dorothea-Konwiarz-Stiftung (Tsp) und die große Carl-Schuch-Ausstellung im Frankfurter Städel (Welt, mehr hier).
Digitale Kunst hat auf dem Kunstmarkt einen schweren Stand, das Auktionshaus Christie schloss gerade erst seine Abteilung. In der dem französisch-mexikanischen Cyberpioner Miguel Chevalier gewidmeten Schau "Digital by Nature" in der Kunsthalle München ist davon aber nichts zu spüren, freut sich Andrian Kreye in der SZ, Chevalier holt seine Installationen aus dem virtuellen Raum der Rechner in die Wirklichkeit, staunt er: "Mit der künstlichen Intelligenz ... dreht sich Chevaliers Blick vom Inneren der Rechner ins Äußere. ... Er geht da von Benoît Mandelbrots Fraktalen aus, jenen Formgebilden, die mathematische Gleichungen in Geometrie übersetzten. Er findet sie zunächst in Blumen und Pflanzen, die er digitalisiert und dann wieder als Skulpturen zeigt. Immer tiefer steigt er in solche Formwandlungen aus der Natur. Das ist das Thema der Schau, die Parallele zwischen Natur und digitaler Welt, in der sich diese Formen immer wieder neu definieren. In Kristallen, Korallen und Schneckenhäusern, in den Brokkoliköpfen, Wurzelsystemen und Tannenzapfen. Da macht die KI das Unsichtbare sichtbar und verständlich."
Auf das inzwischen fünfzehnjährige Schaffen von Julius von Bismarck blickt Hannes Hintermeier (FAZ) indes im Kunsthaus Wien Museum Hundertwasser zurück. Immer wieder setzt sich der deutsche Künstler in seinen Videoarbeiten, Skulpturen und Installationen radikal mit den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit auseinander, erklärt Hintermeier: "In der Videoarbeit 'Punishment' (2011) kämpft der schwarz gekleidete Künstler mit einer langen Peitsche am Strand von Rio de Janeiro in der Brandung mit den Wellen. Sechseinhalb quälend lange Minuten peitscht er sie aus, bis zur Erschöpfung. Ein sinnloses, großartiges Bild. Der Mensch, der Narr, in all seiner Vergeblichkeit."
In der FAZ verkündet Jürgen Kaube höchstpersönlich die Nominierten für den "Feuilleton-Preis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der mal Michael-Althen-Preis hieß. "Wie viel Zeit braucht die Kunst?" lautete die Preisfrage, nominiert sind: Ralph Dutli, Nora Gomringer, Torsten Körner, Bernhard Malkmus, Moritz Rinke, Natalia Roman und Klaus Rössler.
Faszinierende Licht-und-Schatten-Reflexionen bemerktFR-Autorin Hannah Čada in der Frankfurter Galerie Peter Sillem. Dort sind Fotografien des ungarischen SchriftstellersPéter Nádas' ausgestellt. Sie bestechen vor allem durch ihre Gegenwärtigkeit: "Es sind die Fragmente eines Moments, die erfasst werden, wo hauptsächlich die Begegnung des Lichts mit dem Raum beschrieben wird. Bei längerer Betrachtung sieht man fast, wie die Schatten, die die Blätter werfen, zu tanzen beginnen. So ruhig - oder beruhigend - die Fotografien wirken können, zeigen sie auch auf, dass nichts jemals ruht." Čada zufolge sind die Arbeiten außerdem von einer Nahtoderfahrung des Künstlers geprägt: "Er kann dadurch aus einer ganz anderen Perspektive erzählen, dass alles immer in Bewegung ist und ein Moment stets den nächsten jagt."
Außerdem: Katharina Rustler beschreibt im Standard die aktuelle Verkleidung des Eisernen Vorhangs der Wiener Staatsoper, die dieses Jahr von dem ghanaischen Künstler El Anatsui gestaltet wird. Besprochen werden die Schau "Show yourDarling" im Berliner ep.contemporary (taz) und Isabel Kittlers Fotoausstellung "Vergiss mein nicht! - Die letzten Ostfrauen" im ebenfalls Berliner Dock 11 (BlZ).